Irrtümer und Sturheiten

  • Von Jürgen Amendt
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Schon bevor gestern Abend von der OECD die Ergebnisse der zweiten PISA-Studie offiziell bekannt gegeben wurden, war in der öffentlichen Diskussion in Deutschland eine Frage beherrschend: Auf welchem Platz wird Deutschland dieses Mal in der PISA-Rangliste landen? Der Tabellenplatz war beinahe wichtiger als die Erkenntnis, dass das deutsche Schulsystem nach wie vor Weltmeister im Benachteiligen von Arbeiterkindern und Migranten ist.
Jede auch noch so kleine Verschiebung auf der Rangliste nach oben oder unten wurde - je nach Ergebnis - mit Erleichterung bzw. mit Bestürzung quittiert.
Der sture Blick auf Rankings ist allerdings selbst ein Teil des deutschen PISA-Problems. Wer gewohnt ist, sich ausschließlich anhand von Ziffern und Durchschnittswerten zu vergleichen, ein- und unterzuordnen, der ist auch blind fürs Wesentliche. Die rechnerischen Differenzen zwischen den im PISA-Mittelfeld platzierten Ländern sind so gering, dass sie mit statistischen Fehlertoleranzen erklärt werden können. Wesentlich ist anderes: dass Lernen an deutschen Schulen mehr als Mühe denn als individuelle lustvolle Herausforderung betrachtet wird. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Mehrheit der deutschen Schulen trotz 68er-Kulturrevolution und 89er-Wende ein Hort des preußischen Obrigkeitsstaates geblieben sind. Kein Wunder also, dass die Zahl jener Schüler besonders groß ist, die sich dem System Schule durch Leistungsverweigerung entziehen.
Ergebnisse in Kürze
Soziale Herkunft:
Laut OECD gibt es in Deutschland einen ausgeprägten Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungskompetenzen. Besonders Jugendliche aus ausländischen Familien zeigen schwächere Leistungen. Auffällig ist dabei vor allem, dass in Deutschland geborene Jugendliche der ersten Generation noch schlechter abschneiden als zugewanderte Jugendliche.
Mathematik: Im Bereich Mathematik, dem Schwerpunkt der neuen Studie, kommen die deutschen Schüler auf einen Mittelwert von 503 Punkten und liegen damit drei Punkte über dem OECD-Durchschnitt. Auf Grund statistischer Unsicherheiten gibt die OECD lediglich einen bestimmten Rahmen für die Rangposition an. Unter den 29 gewerteten Staaten erreicht Deutschland demzufolge einen Platz zwischen dem 14. und 18. Rang. An der Spitze stehen Finnland (544 Punkte), Korea (542 Punkte) und die Niederlande (538 Punkte). Damit liegen die deutschen Schüler etwa ein Schuljahr hinter den Siegern aus Finnland zurück.
Lesen: Bei der Lesekompetenz liegt Deutschland mit 491 Punkten knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 494 Punkten (12. bis 19. Platz). Die Spitzengruppe bilden Finnland (543 Punkte), Korea (534 Punkte) und Kanada (528 Punkte).
Naturwissenschaften: In diesem Bereich liegt Deutschland mit 502 Punkten knapp über dem OECD-Durchschnitt. Am besten schneiden Finnland (548 Punkte), Japan (548 Punkte) und Korea (538 Punkte) ab.
Problemlösen: Hier schneiden die Schüler an deutschen Schulen mit 513 Punkten deutlich über dem Durchschnitt von 500 Punkten ab. Die internationale Spitze bilden Korea (550 Punkte), Finnland (548 Punkte) und Japan (547 Punkte). Bei diesen Aufgaben ging es darum, reale Probleme zu lösen. So mussten die Schüler etwa ein Bibliothekensystem verstehen oder d...

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