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15 Menschenleben gerettet

Zwischenbilanz: Drogenkonsumräume im ersten Jahr bewährt

Die Drogenkonsumräume haben sich bewährt, das Angebot wird besser angenommen, als anfangs gedacht. Diese erste Zwischenbilanz zog gestern Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS). Seit November 2003 ist ein mobiler Drogenbus am Bahnhof Zoo und in der Kurfürstenstraße im Einsatz, Anfang dieses Jahres wurden feste Räume in Kreuzberg und Moabit eingerichtet. Bisher wurden rund 450 Nutzer gezählt, über 3300-mal haben sie Rauschgift konsumiert. Dies unter menschenwürdigen, hygienisch akzeptablen Bedingungen, wie die Senatorin sagte. Dabei kam es zu 15 Notfällen, die unter anderen Umständen, ohne sofortige medizinische Behandlung, zum Tode hätten führen können. Die meisten Todesfälle von Drogenabhängigen geschehen in deren Wohnungen. Die Zahl der Abhängigen in Berlin wird auf bis zu 8000 geschätzt. Die Senatorin sah sich zu dieser Zwischenbilanz veranlasst, nachdem bis Oktober ein deutlicher Anstieg von Todesfällen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum festgestellt worden war: um 25 Prozent auf 159. Die Ursachen dafür seien unklar, so Knake-Werner, es könne auch am »Stoff« liegen, der gerade zur Verfügung stehe. Einen Zusammenhang mit den Drogenkonsumräumen herzustellen, sei jedenfalls »völlig daneben«. Im Gegenteil seien die so genannten Fixerstuben geeignet, die Abhängigen in das Drogenhilfesystem zu integrieren, sie zu beraten, medizinisch zu behandeln und an andere Einrichtungen weiterzuvermitteln. Allerdings sei die Weitervermittlung mit etwa fünf Prozent noch recht gering. Vor allem Jüngere machten von den Angeboten Gebrauch, etwa von der Hepatitisvorsorge. Die Einrichtung der Drogenkonsumräume war heftig umstritten, doch nach einer bundesgesetzlichen Regelung und einer Berliner Rechtsverordnung hatte Rot-Rot aus gesundheitspolitischen Gründen diese als Ergänzung zum bestehenden Hilfesystem durchgesetzt. Damals geäußerte Befürchtungen wie Konzentration der Szene, Anstieg der Beschaffungskriminalität oder Belästigung der Anwohner seien nicht eingetreten, erklärte die Senatorin. Das belegt auch eine wissenschaftliche Begleitung durch das Forschungsinstitut »delphi«. So zeigt eine Anwohnerbefragung eine hohe Diskrepanz einer gefühlten und der tatsächlichen Akzeptanz: Die befragten Anwohner in Moabit meinten zu 83 Prozent, dass die allgemeine Einstellung der Anwohner wohl ablehnend sei, persönlich waren aber 71 Prozent dafür. In Kreuzberg sagten 42 Prozent, allgemein würden die Fixerstuben im Wohnumfeld abgelehnt, persönlich waren 82 Prozent dafür.

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