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  • Politik
  • Der Deal auf der Glienicker Brücke: Powers gegen Abel

Abschuß, Absturz, Austausch

Am 1. Mai 1960 meldet Major Michail Woronow, Kommandeur einer Fla-Raketen-Abteilung, dem Chef Luftverteidigung der UdSSR: »Das in den Luftraum unserer Heimat eingedrungene Flugzeug ist... um 8.53 Uhr Moskauer Zeit abgeschossen worden«. Das Flugzeug befand sich zum Zeitpunkt seines Abschusses im Raum Swerdlowsk. »In über 20 000 Meter Höhe traf die Flugabwehrrakete das Flugzeug... Flugzeugteile wurden zuerst mit technischen Mitteln, kurze Zeit später auch durch Posten festgestellt. Diese beobachteten außerdem einen am Fallschirm niedergehenden Piloten... Maßnahmen zu dessen Festnahme sind veranlaßt.«

Der seinerzeitige Partei- und Staatschefin der UdSSR, Nikita Chruschtschow,

erfuhr auf der Tribüne des Mausoleums in Moskau, wo er gerade die Militärparade abnahm, vom Vorfall. Das abgeschossene Flugzeug war eine Lockheed U-2, ein Spionageflugzeug. Gestartet war es vom US-Luftwaffenstützpunkt Inkirlik unweit Peschawars in Pakistan. Der Pilot: Francis Gary Powers, Hauptmann der US-Luftwaffe. Für ein Jahresgehalt von 35 000 Dollar flog er für die CIA. Das Flugzeug trug deshalb die irreführenden Kennzeichen der National Aeronautics and Space Administration, der Nationalen Luft-und Weltraumbehörde.

Die U-2 war eigens zum Überfliegen der UdSSR in sehr großen Höhen (bis 33 000 Meter) bei einer Geschwindigkeit von 900 kmh konstruiert und mit modernster Technik vollgestopft worden, u.a. mit Meßgeräten für atomare Strah-. lung, Funkmeß-Abhörempfänger, Magnetband-Aufzeichnungsgerät, Peilemp-

fänger, UHF-Funkeinrichtung, Luftbildkameras. Im Raum Swerdlowsk war Powers auf 20 000 Meter abgestiegen. Beim anschließenden Steigflug zerstörte die sowjetische Rakete die Höhensteuerung. Powers sprang aus 4 500 Metern mit dem Fallschirm ab und wurde gestellt. Ein Gefangener des kalten Kriegs. Vor dessen Abschuß übrigens war der Luftraum der UdSSR bereits mindestens 17 Mal durch US-Flugzeuge verletzt worden...

Zur Meldung des Majors Woronow Sie verschwieg ein wichtiges Detail. Es waren drei Flug-Abwehr-Raketen gestartet worden. Die erste verfehlte die U-2, die zweite traf die MiG-19 des Oberleutnants Sergej Safronow, einen der beiden Abfangjäger,, die aufgestiegen waren, um die U-2 zur Landung zu zwingen, erst die dritte Rakete war es schließlich, die die U-2 traf. Die MiG war getroffen worden, weil die Freund-Feind Kennung damals noch in

ihren Anfängen steckte und weil der Befehl des Abteilungskommandeurs »Start« von der Bedienung unter Oberleutnant Eduard Feldblum mit Verzögerung von einem Bruchteil einer Sekunde ausgeführt worden war. Dennoch wurde die Bedienung der Fla-Raketen am 7. Mai 1960 ausgezeichnet- zusammen mit dem versehentlich abgeschossenen Safronow

Powers kam vor ein sowjetisches Militärgericht. Er war geständig. Zudem lag die technische Spionageausrüstung dem Gericht als Beweismaterial vor. Powers wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er mußte nicht lange »sitzen«.

Am 10. Februar 1962 wird Powers auf der Glienicker Brücke zwischen Westberlin und Potsdam gegen das »Genie der Unauffälligkeit«», wie das FBI ihn nannte, ausgetauscht - gegen den Oberst Rudolf Abel, der eigentlich Wilhelm Fischer hieß und mit seinem Agentennetz in den USA maßgeblich zur Brechung des amerikanischen Atombombenmonopols beigetragen hatte, bevor er 1957 »aufflog«.

Über die Glienicker Brücke schritten übrigens in der Zeit des Kalten Krieges rund 150 Agenten und Dissidenten...

3. Februar 1807- William Wilberforce kann das englische Oberhaus für die Abschaffung der Sklaverei überzeugen. Am 23. Februar wird das Gesetz mit 283 gegen 16 Stimmen angenommen.

4. Februar 1902: Charles Lindbergh geboren. Am 20. Mai 1927 überflog er als erster im Alleinflug den Atlantik. Für die Strecke New York-Paris benötigte er 33 Stunden.

7. Februar 1497: »Verbrennung der Eitelkeiten« in Florenz. Der Bußprediger Savonarola hatte die Florentiner aufgerufen, ihre »Luxusgegenstände« wie Spiegel, Schmuck, Gemälde, Bücher usw auf dem Signorenplatz zu verbrennen. 9. Februar 1957: Nikolaus Horthy, ungarischer Faschistenführer, in Estoril (bei Lissabon) gestorben. Nach der blutigen Niederschlagung der ungarischen Räterepublik Reichsverweser, kollaborierte er mit Nazideutschland, wurde jedoch im Oktober 1944 von Hitler zur Abdankung gezwungen und floh nach Portugal.

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