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Autos und Kunst

Eine Überraschung an der Marzahner Chaussee

  • Von Tom Mustroph
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Ein Auto zu kaufen, kann glattweg zum Erlebnis werden. Jedenfalls in Marzahn. Blitzblank gewienerte Harley Davidsons stehen im Autohaus der Koch-Gruppe am S-Bahnhof Springpfuhl. Die bulligen Zweiräder - Liebhaberstücke von Mitarbeitern und hier für den Winter geparkt - bringen einen Hauch des Besonderen in den Showroom. Man will sofort aufsatteln und der östlichen Prärie entgegenreiten. Ausblicke anderer Art bietet die gegenüber gelegene luftige Halle. Neben auf Benzin ausgerichtetes Produktdesign ist in dem ehemaligen Farbenlager echte, Terpentin geschwängerte Kunst zu Hause. Ungefähr zwei Dutzend Leinwände ziehen bis Juni 2005 bei der Ausstellung »Auto und Kunst« den Blick auf sich. Naive Lust am Auto, von Klaus Zylla in der Manier der Art brut dargestellt, empfängt den Besucher. Auf knallig rotem Untergrund ist »Frau Schulz« abgebildet, die ein Auto wie ein Haustier im Arm hält. Verspielter, umweht vom närrischen Geist Jean Tinguelys, ist Zyllas »MaschineI«, Hybride aus Oldtimer und Zukunftsmobil. Sehr verrätselt dagegen, aber ungemein dekorativ sind Katharina Häfners Collagen aus Schablonen und Malerei, während Karsten Krause offenbar der konstruktivistischen Spielart der neorealistischen Welle zuneigt. Gekonnt sein Wechselspiel zwischen Verweigerung des Blicks und dem Eindringen ins Innerste. Mal gleitet das Auge an flachen Umrissen ab, dann wieder sind Flächen aufgesperrt und erlauben es, neuen Raum zu ergreifen. Auf Filmmythen - Taxi Driver und New York - setzt Massimo Spinelli, während Giacomo Sampieris Frauenbildnisse wie Abziehbilder von Männersehnsüchten wirken, jedenfalls im Kontext Autohaus. Überraschenderweise behaupten sich die meisten Arbeiten. Sie wirken nicht wie eine ästhetische Garnierung. Vielmehr heben sie den Betrachter für kurze Zeit aus der Sphäre von PS und Finanzierungsoptionen in eine Welt, in der Träume noch rein und unschuldig sind. Vielleicht macht dieser Kontrast empfänglicher dafür, das noch unartikulierte Begehren als Lust auf ein Auto zu formulieren. Schließlich hat sich die Koch-Gruppe vorgenommen, 1000 Autos mehr als im Vorjahr zu verkaufen. Aber man sollte nicht immer simpelste Kosten-Nutzen-Kalkulationen unterstellen. Schließlich unterstützen die Autohändler auch die Musikförderung im nahe gelegene Coppi-Gymnasium und ein Kinderhilfsprojekt in Ghana, beides auf Initiative und in Kontakt mit der alten Rock-Combo »City«. Bassist Georgi Gogow hat auch die Ausstellung konzipiert. Die entwickelt sich mittlerweile zum Renner. Zur Vernissage kamen mehr als 300 Leute. Tag für Tag tauchen jetzt Besucher nur der Bilder wegen auf. Unverhofft ents...

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