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Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

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War die NDPD die Partei für Ex-Nazis?

Zum Leserbrief »Antifaschismus national?« von Rüdiger Deißler (ND vom 10. Februar):

Nach 1945«, behauptet R. Deißler, »konnte mit Hilfe der SED eine NDPD für Ex-Nazis aufgebaut werden.« Erst einmal ist unstrittig, daß Entscheidungsbefugnis und Geburtshilfe nicht der SED, sondern primär der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) zukamen. Der Kern der Behauptung besteht jedoch in der Frage: War die NDPD die Partei für Ex-Nazis?

Zur Gründungszeit der NDPD hatte die SED schon etwa 175 000 ehemalige Offiziere, Oberfeldwebel und Feldwebel der

Hitlerwehrmacht sowie Mitglieder der NSDAP oder ihrer Organisationen in ihren Reihen (Ansichten zur Geschichte der DDR, Bd. I, Herausgeberin: PDS/Linke Liste im Deutschen Bundestag, S. 132), weit mehr, als die NDPD jemals Mitglieder hatte (Höchstzahl bis 1953 rund 100 000). Jedoch lediglich 8000 bis 9000 von ihnen waren 1952 ehemalige NSDAP-Mitglieder

Die NDPD-Gründung 1948 erfolgte, nachdem (im Unterschied zu Westdeutschland) das Hauptproblem einer wirklichen Entnazifizierung, nämlich die politische und ökonomische Entmachtung des Finanzkapitals, der Junker, der bürokratischen, militärischen und politischen Eliten des faschistischen Deutsch-

land sowie die gerichtliche Aburteilung der Kriegs- und Naziverbrecher, weitgehend gelöst war. Bis zum Abschluß der Entnazifizierung in der Ostzone waren 520 000 ehemalige NSDAP-Mitglieder aus ihren Stellungen entlassen worden (ebenda S. 41). NSDAP-Mitglieder und Offiziere sowie Berufssoldaten, die sich keiner individuellen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig erwiesen hatten, waren ja doch aber auf Dauer nicht vom Nachkriegsaufbau auszuschließen, weshalb die NDPD auch das Problem ihrer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung aufgegriffen hat. Was die im Artikel von R. Deißler verwandte Formulierung »...NDPD für Ex-Nazis aufgebaut« anbelangt, so war es ein Grundanliegen der NDPD, entgegen manch heutiger Geschichtsklitterung, jahrelang zur vorbehaltlosen Auseinandersetzung der »Ehemaligen« mit der nationalen und sozialen Demagogie der NSDAP, mit Antikommunismus und Antisemitismus, mit den Massenverbrechen, die im Namen

Deutschlands begangen wurden, beizutragen. Sie.befreite im Denken und Handeln ihrer Mitglieder das Nationale vom Nationalistischen, ohne aber in nationalen Nihilismus zu verfallen. Beides war unverzichtbar, damit »Ehemalige« aus ihren bitteren politischen Erfahrungen in Hitlerdeutschland und seinem Raub- und Vernichtungskrieg antifaschistische

Schlußfolgerungen ziehen konnten. War diese Aufgabenstellung der NDPD falsch, Herr Deißler, oder sollte man diese Menschen mit ihrer Naziideologie sich selbst überlassen?

Die NDPD hat die politische Vergangenheit der »Ehemaligen« in ihren Reihen öffentlich nicht in der Anonymität versinken lassen. Für die SED war die politische Vergangenheit dieser ihrer Mitglieder in der Öffentlichkeit tabu, sie hätte einer marxistisch-leninistischen Partei wohl nicht gut zu Gesicht gestanden.

Erhard Lonscher 10318 Berlin

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