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Emn Alles human(a)?

Das getarnte Geschäft mit den Altkleidern Von Dietmar Wolf

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Welcher alte Ostberliner kann sich nicht an das »Haus für Sport und Freizeit« am Frankfurter Tor erinnern. Heute residiert dort der Altkleiderkonzern Humana/Tvind.

Gebrauchte Blusen, Pullis, Jeans gleich auf mehreren Etagen werden sie hier angeboten. Ein ähnliches Second-Hand-Kaufhaus betreibt der dänische Konzern in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes. Humana-Verkaufsstellen sprießen, vorrangig im Ostteil der Stadt, wie Pilze aus dem Boden. Hunderte Kleidersammelboxen garantieren reibungslosen Nachschub.

Wer bei Humana einkauft, spart nicht nur Geld, sondern glaubt gleichzeitig, etwas für die Dritte Welt zu tun. Durch Slogans wie »Einer der effektivsten Wege, Entwicklungshilfe zu leisten« umgibt sich die Firma mit der Aura einer humanitären Organisation. Doch hinter glänzender Fassade steckt ein hartes Geschäft.

Wer sich für einen Entwicklungshilfeeinsatz bei Humana entscheidet, muß ihn durch das Sortieren und den Verkauf von Altkleidern finanzieren. Zwar gibt es Projekte in Afrika, aber verglichen mit dem Umsatz des Tvind-Konzerns sind diese ein karitatives Feigenblatt. Einer schwe-

Kommerzielle Kleiderbox ND-Foto: B. Lange

dischen Studie zufolge sollen ganze zwei Prozent des Umsatzes das Tvind-Imperium verlassen. Seriöse Organisationen stecken rund 80 Prozent ihrer Einnahmen in Entwicklungshilfe.

Kleidung zweiter Wahl, die hierzulande nicht mehr verkauft werden kann, wird in Polen und Afrika abgesetzt. Humana tut diese Behauptung als alten Pressefehler ab. 62 Prozent der Kleidung würden nach Afrika geschickt, um mft dem Erlös Entwicklungshilfeprojekte zu unterstützen. Doch diese Angaben wurden bisher nicht kontrolliert.

In den letzten Jahren geriet Humana immer wieder ins Zwielicht. 1991 mußte

die Firma ihre Kleidercontainer in Hamburg und Berlin eindeutig als »gewerbliche Sammlung« kennzeichnen. In mehreren Berliner Bezirken dürfen sie nicht mehr öffentlich aufgestellt werden. Im gleichen Jahr wies die Genfer UNICEF-Zentrale ihre Büros an, »nicht mehr mit Humana zusammenzuarbeiten«. 1994 wurde Humana abgemahnt, »den Namen UNICEF nicht mehr für ihre Werbung zu benutzen«, weil Humana »insgesamt als unseriös« gilt. Ein 1996 von der englischen Aufsichtsbehörde für Wohlfahrtsvereine bei »Humana UK« eingesetzter staatlicher Verwalter ermittelte, daß die dortigen Einnahmen nicht nach Afrika flössen, sondern auf ein Konto in der dänischen Stadt Vejle transferiert wurden einer der beiden Hauptstützpunkte der Humana-Dachorganisation Tvind.

Auch Tvind, Ende der 60er Jahre als reformpädagogisches Bildungsprojekt gegründet, inzwischen ein weitverzweigtes Imperium mit Firmen und Ländereien auf der ganzen Welt, geriet in der Vergangenheit in die Schlagzeilen. 1996 verbot das dänische Parlament per Sondergesetz den Betrieb der Tvind-Schulen. Der Grund: Es verdichtete sich der Verdacht, Tvind hätte Schüler- und Studentenzahlen gefälscht und Subventionen zwekkentfremdet. Staatliche Zuschüsse seien in dem »verschachtelten Tvind-Imperium« verschwunden. Ein weiterer Vorwurf ist, Tvind/Humana wäre hierarchisch-sektenähnlich organisiert.

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