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»Modernisierer« unter Mennoniten

Sonntags vor dem Gottesdienst. Die Frauen betreten die Kirche durch einen anderen Eingang als die Männer.

Foto: Holst

Rußland, in die USA und nach Kanada. Da überstanden sie zwar unbeschadet die Mobilmachung im Ersten Weltkrieg, aber die Ausweitung der allgemeinen Schulpflicht auf die Mennonitenkolonien führte vor gut 75 Jahren zum neuerlichen Exodus der Religionsgemeinschaft.

Zuflucht bot Mexiko, das selber eben erst die Wirren eines Bürgerkriegs überstanden hatte. Präsident Alvaro Obregön sicherte dem wandernden Bibelvölkchen volle Religionsfreiheit sowie die Befreiung von Militärdienst und Wahlpflicht zu, dazu das Recht, »daß Sie Ihre eigenen Schulen mit eigenen Lehrern gründen können^Am ,8.JM,ä£zU£g^erreichte de/ * erste Treck denJahrinof von Cuauhtemoc iri'dW-nordmBxiMtifSchWPrärie. Die Besiedlung des heutigen Mennonitenlandes im Bundesstaat Chihuahua begann.

Binnen weniger Jahre verwandelten die asketischen Bauern das Ödland in fruchtbare Äcker und brachten es zu bescheidenem Wohlstand. Bei ihren mexikanischen Nachbarn waren sie trotz aller Fremdartigkeit wegen ihrer Arbeitsmoral und Ehrlichkeit angesehen, nicht wenigen gaben sie in der Erntezeit Arbeit und Brot. Dennoch bleiben die deutschstämmigen Siedler bis heute fast unter sich, heiraten ausschließlich untereinander und nehmen auch die Folgen der Inzucht in frommer Gottesfurcht hin. Zum Wehrdienst wollte sie bis heute niemand in Mexiko zwingen, und in ihren kleinen Dorfschulen unterrichten rudimentär ausgebildete Lehrer in plattdeutscher Sprache und altdeutscher Schrift das kleine Einmaleins und das ABC, selbstverständlich mit Bibeltexten.

Mehr braucht ein Mensch nicht. Davon sind zumindest die Angehörigen der traditionell orientierten Altkolonie überzeugt, der immerhin zwei Drittel der 45 000 mexikanischen Mennoniten angehören. Dorfprediger Wilhelm Reimer in Steinfeld: »Es ist nicht nötig, daß die Menschen etwas anderes lesen als die Bibel. Wir wollen nicht, daß sie etwas lernen, was nichts mit der Religion zu tun hat.« Zeitungen, Bücher, Radio und vor allem das Fernsehen sind schädlich. »Wegen des Radios kommen viele Leute nicht mehr in die Kirche«, beklagt er sich.

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