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mm Attentat auf »Verräter« der UNITA

USA-Favorit für Savimbi-Nachfolge im Fadenkreuz Von Gerhard Wendorf

Nach der Spaltung in der rechtsnationalistischen Oppositionsbewegung UNITA hat die Organisation unter Jonas Savimbi ihren Kampf gegen die von der MPLA geführte Regierung Angolas verstärkt. Sie agiert grenzübergreifend und schreckt auch vor Mordanschlägen nicht zurück.

Dreimal klang es, als klatsche jemand in die Hände. Doch es waren Schüsse aus Pistolen mit Schalldämpfern. Die Geschosse zerschlugen die Windschutzscheibe eines Pkw in der Rua Comandante Stona von Luanda. Der erste Schuß ging dicht am Fahrer vorbei, die nächsten beiden verfehlten die Frau auf dem Hintersitz nur knapp.

Die Schüsse galten Abel Chivukuvuku, bisher Vorsitzender der Parlamentsfraktion der Nationalunion für die Totale Unabhängigkeit Angolas (UNITA). Im Wagen saßen indes seine Frau Toya und sein Fahrer Die Fahndung nach den Schützen blieb bislang ergebnislos.

Chivukuvuku hatte sich - wie die Mitglieder des »Provisorischen Komitees zur Erneuerung der UNITA« um den früheren Tourismusminister Jorge Valentim - von Parteichef Jonas Savimbi losgesagt. Anders als die »Erneuerer« will er jedoch

unabhängig bleiben. Der Rechtsanwalt gilt als Favorit der USA-Regierung, die nach Ersatz für den diskreditierten Savimbi sucht. Washington gab sich denn auch »schockiert« über den Anschlag.

Um ihren einstigen Handlanger Savimbi und seine Banden zu schwächen, hatten die USA zuvor einige Sanktionen gegen die UNITA verhängt: Ihre Bankguthaben in den Vereinigten Staaten wurden gesperrt, der Verkauf von Schürfgeräten verboten, ebenso die Einfuhr von Diamanten aus den UNITA-kontrollierten angolanischen Gebieten. (Mit dem Erlös finanziert die UNITA ihren nichterklärten Krieg gegen die Regierung unter Führung der Volksbewegung für die Befreiung Angolas MPLA.) Zugleich verurteilten die USA - die »Chivukuvuku-Karte« in der Hinterhand - die Bildung des Provisorischen Erneuerungskomitees, das ihnen wegen seiner guten Beziehungen zur MPLA offensichtlich als »zu links« gilt.

Die Kampfkraft von Savimbis Kriegern hat dies allerdings kaum beeinträchtigt. Zentrum der Kämpfe ist die an Kongo grenzende Provinz Uige, wo die UNITA-Einheiten mit den kongolesischen Banyamulenge-Tutsi zusammenwirken, die gegen Präsident Laurent-Desire Kabila rebellieren. Ziel ist die Kontrolle der Grenze, um Nachschubwege für die Regierungsgegner beider Seiten zu sichern.

Angolas Truppen wiederum kämpfen seit August auf Kongo-Gebiet an der Seite von Kabilas Armee. Überdies hat die Regierung in Luanda unterdessen ihre Be-

ziehungen zu Moskau wiederbelebt. Nach dem Besuch von Präsident Jose Eduardo dos Santos im Sommer führte Parlamentspräsident Roberto de Almeida Gespräche in der russischen Hauptstadt, und Verteidigungsminister Pedro Sebastiao vereinbarte mit seinem Amtskollegen Igor Sergejew jüngst in Luanda die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zur Wartung der ehedem von der Sowjetunion gelieferten militärischen Ausrüstungen und zur Betreuung jener Waffensysteme, darunter Kampfflugzeuge und Hubschrauber, die Rußland künftig liefern will. Bezahlt wird mit Fischereirechten, Diamantenabbau-, Bergbauund ölförderungskonzessionen.

Während Chivukuvukus Frau mit einem Schock noch im Regierungskrankenhaus liegt, will ihr Mann seinen Platz als UNITA-Fraktionschef nach Ende der Parlamentsferien am 15. Oktober wieder einnehmen. »Wir. wollen eine konstruktive, aber ernsthafte Opposition sein«, grenzt er sich von der Gruppe um Valentim ab. Doch der Mann der USA würde da eher stören. Denn die MPLA-Führung hat beschlossen, das UNITA-Problem militärisch zu lösen. Wieder einmal.

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