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  • Politik
  • Hans im Glück von Rolf Losansky

Nicht dumm

Ein neuer Film von Rolf Losansky, dem Regisseur. Das freut, da das Filmemachen aus Geldmangel komplizierter wird, ganz besonders aber das Arbeiten für Kinder, die durch vielerlei Medien immer schneller an unterhaltenden Konsum herangeführt werden. Seine früheren Filme zeichneten sich durch die Verknüpfung streitbarer Gegenwartsthemen mit phantastischen Elementen aus. Erstmalig stellt er sich nun dem Phantastischen eines Märchens als Ausgangspunkt für eine beinahe realistische Handlung. Damit werden alle Erwartungen an die Opulenz zeitgemäßer Märchenverfilmungen enttäuscht. »Hans im Glück« ist ein kleiner, unauffälliger Film, der Märchenfilm für Arme, trotzdem ansehenswert, mit komischen szenischen Einfällen und kindgemäßen Überdrehtheiten.

Die philosophische Dimension der Märchenfrage nach dem Glück bleibt weitestgehend ausgespart. Einer anderen Spur des Filmes kann ich folgen. Nach sieben Jahren Lehrzeit ist Hans kein wesentlich gereifter Mensch, das Noch-Kind sehnt sich nach der Mutter. Auf dem

Heimweg tauscht er den Goldklumpen und all die uns bekannten immer geringer geachteten Tiere, bis er schließlich mit leeren Händen vor seinen Eltern steht. So wie materielle Dinge noch keine Bedeutung für ihn haben, so ist ihm auch die Liebe fremd. Erst am Ende seines Weges erinnert ihn ein fröhlich eingesetzter Schluckauf an die verlassene Müllerstochter, und sein Reifeprozeß zum Erwachsenen tritt in eine neue Phase. Glück muß also etwas mit Liebe zu tun haben. So richtig dumm ist Hans nicht, seine Tauschaktionen sind jeweils eine Reaktion auf momentane Unbequemlichkeiten, die ich durchaus nachvollziehen kann. Unterstützt werden sie durch kleine Vorgeschichten seiner Handelspartner, die den Wert der Tauschobjekte zusätzlich verringern. Also gute Gründe für Hans, Tier und Ding wieder loszuwerden.

Der Film ist für die kleinsten Zuschauer gedacht, und ich gehe davon aus, daß die Erfahrungen beim Erwächsenwerden sie außerordentlich interessieren, daß augenblickliches Glück ein sehr konkreter und notwendiger Zustand ist und die Sehnsucht nach den Eltern eine so wunderbare Triebkraft, daß materieller Besitz wirklich vernachlässigt werden kann.

Rolf Losansky konnte hervorragende Schauspieler besetzen, ihnen wäre ein wenig mehr Futter für ihre Rollen zu wünschen gewesen. Sie bleiben letztlich auf Pointen reduziert. Andreas Bieber als Hans muß mit sich selbst spielen und den Tücken der Tiere. Er schlägt sich tapfer, Hans sein Glück leidet unter einem fehlenden Konflikt. ? ?

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