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  • Politik
  • Tanja Stern und ihr erstes Kinderbuch: ein großer Wurf

Rächer der Enterbten

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 2 Min.

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Opa Kunze war in unserer Siedlung der Erste, der aus seinem Haus vertrieben wurde« - wie das Buch beginnt, glaubt man zu wissen, was man zu erwarten hat. Keine Eiapopeia-Geschichte, nichts Niedliches, nichts Märchenhaftes, sondern einen Text aus der ostdeutschen Gegenwart, gewidmet einer der härtesten Erfahrungen beim Eintritt ins bundesdeutsche Staatswesen.

Opa Kunze hauste auf einem »Westgrundstück«, wie der zehnjährige Toni uns erklärt. »Früher haben da mal Leute gewohnt, die dann in den Westen gegangen sind... Sogar das Haus, in dem ich mit meinen Eltern wohne, gehört dazu... Früher habe ich das nicht gewußt. Früher hat das auch keinen gestört. Aber dann ist eines Tages ein Gesetz gekommen, dass die Häuser nicht mehr denen gehören sollen, die im Augenblick drin wohnen, sondern denen, die früher drin gewohnt haben.«

Wie die Alteigentümer durch die Siedlung streichen, wird geschildert, wie ein Mercedes bei Opa Kunze vorfuhr, wie der Alte freiwillig ins Heim ging, weil Alteigentümer Stresemann ihm Geld bot, um des Sohnes Schulden zu bezahlen. Gar nicht lustig, bedrückend das alles. Und bald darauf zieht eine affektierte Wessi-

Dame in Tonis Nachbarhaus: Malwine Stresemann-Buck mit ihrem verwöhnten Kater Theo. Da gründen Toni, Jürgen, Sonja und Max ein Robin-Hood-Komitee. Weil ihre Eltern Angst haben, daß es ihnen auch so wie Opa Kunze geht, wollen die Kinder »Rächer der Enterbten« sein. Das ist scharf. Und sowas wird in einem großen Hamburger Verlag gedruckt? Das fragt man sich, als die Kinder gegen Dame Malwine und ihren Theo Rachepläne schmieden. Aber wenn man den Text zuende gelesen hat, würde man sich nicht mal darüber wundern, wenn aus dem Buch noch ein Drehbuch würde und ein Film. Weil das Talent der Autorin, eine spannende, aktionsreiche Geschichte mit ebenso glaubwürdigen wie überraschend witzigen Details zu erzählen, einfach überzeugt. Und weil sie die Kurve kriegt vom Osttrotz zu einer Vision deutscher Gemeinsamkeit, wie sie sich freilich im kleinen leichter verwirklichen läßt als im großen. Aber ein Happy-End wäre vor diesem Hintergrund zu billig. Das Robin-Hood-Komitee bleibt bestehen, auch wenn die erste Aktion etwas anders als geplant verlief. Und die Enkelin von Frau Stresemann-Buck macht mit. Denn Sehnsucht nach Gerechtigkeit gibt es nicht nur im Osten.

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