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Wie ein Horrorfilm, nur live

Auf Burg Frankenstein treiben zu Halloween Ungeheuer ihr Unwesen

  • Von Valentin Frimmer, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.
Zu Halloween treiben auf Burg Frankenstein in Südhessen Monster und Ungeheuer ihr Unwesen. Alles nur Spaß? Wie man's nimmt. Denn um die Burgruine ranken sich dunkle Mythen.

In der »monsterfreien Zone« klammert sich Denise an ein Gläschen Kräuterschnaps. Eben noch hatte die 30-jährige Pflegehelferin geweint. »Ich kann nicht mehr zwischen Masken und Realität unterscheiden.« Das Halloween-Festival auf Burg Frankenstein bei Darmstadt ist nichts für schwache Nerven. Seit vergangenem Freitag beherrschen an drei Wochenenden Monster, Hexen und Zombies die Burgruine. Der herbstliche Karneval hat einen besonderen Gruselfaktor: Finstere Mythen umwittern das alte Gemäuer.

Der Alchimist und Leichenfledderer Johann Konrad Dippel von Frankenstein soll auf der Burg sein Unwesen getrieben haben, sagt der Heimatforscher Walter Scheele. Der Legende nach hat Dippel vor rund 200 Jahren versucht, aus Jungfrauenblut und Leichenteilen einen neuen Menschen zu schaffen. Die Leichen habe Dippel vom Friedhof geklaut. Über die Brüder Grimm sei die Gruselgeschichte nach England gelangt, dort diente sie Mary Shelley als Inspiration für ihren Roman »Frankenstein«.

Kreischen. Das Geräusch ist im Nebel allgegenwärtig - farbige Lichtakzente zaubern in der Dunkelheit eine schaurige Atmosphäre. »Am Liebsten erschrecke ich Machos, die vor ihrer Freundin den harten Mann markieren«, sagt »Piratin« Tina. Sie belagert mit der Brut des gefürchteten Piratenkapitäns Blackbeard die Burg. Mit etwa 100 Mitstreitern lässt sie alljährlich Alpträume auf Burg Frankenstein wahr werden. Im März beginnen die Freizeitmonster mit ihrer Planung, ab Anfang September bauen sie die Gruselrequisiten auf. »Alles Massivbauweise«, sagt Tinas Gegenspieler, der Optiker Achim. Als Ritter muss er die Burg verteidigen.

Rund zehn Gruselstationen erstrecken sich über die alte Ruine. Im Burggraben verstecken sich Kürbismonster unauffällig im Maisfeld und fallen über ahnungslose Besucher her. Zwei Sumpfmonster warten im Teich auf ihre Opfer. Ein großer Kerl steht vor dem trüben Tümpel und zittert: »Ich geh hier nicht weiter«.

Das erste Halloween wurde auf Burg Frankenstein 1977 gefeiert, erzählt Burgschreiber Scheele. US-Soldaten hatten ihre Halloween-Fete auf die Burg verlegt. Über das Radio verbreitet, kamen zum ersten Burg-Halloween 5000 Menschen. Seitdem ist Burg Frankenstein eine feste Gruselinstitution. Bis zu 2500 Besucher zählt das Festival pro Abend. »Das ist wie in einem Horrorfilm, nur live«, sagt ein Besucher.

Ums Hexenzelt zieht grüner Nebel. Drei warzige Alte mit langen Hakennasen schauen in ihre Kristallkugel. »Lebt ihr Vater noch?« fragen sie in breitem Hessisch. Auf das Nicken ihres Kunden schlussfolgern sie kryptisch: »Sie kennen sich wohl sehr gut, Sie und ihr Vater.« Hinter vorgehaltener Hand hört man die Hexen später über die kleine Kettensäge des Kettensägenmannes tuscheln.

An elf Terminen lehren die Frankensteiner Monster das Fürchten. Sonntagnachmittag ist Kindervorstellung. Dann seien die Monster netter, beteuern sie.

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