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Neue Strategie gesucht

Dänische Gewerkschaft will wieder stark werden und übt Selbstkritik

  • Von Andreas Knudsen
  • Lesedauer: 3 Min.

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An einem relativ unbedeutend anmutenden Tarifstreit entzündete sich ein langwieriger Konflikt: Der dänische Gewerkschaftsbund 3 F will wieder Handlungsmachterlangen und unterzieht die letzten Jahre eine harten Fehleranalyse.
Was wurde falsch gemacht? Für den dänischen Gewerkschaftsbund 3 F, der ungelernte Arbeitskräfte wie Facharbeiter in verschiedenen Branchen organisiert, eine derzeit wichtige Frage. Konkret wollte ein Restaurantbesitzer in Vejle auf der Insel Jütland einen neuen Tarifvertrag für seine Beschäftigten anwenden, der diesen längere Arbeitszeiten und weniger Gehalt bescheren würde. Der Fall ist derzeit vor dem Arbeitsgericht.

Der auslösende Konflikt an sich ist relativ unbedeutend – gemessen an der Anzahl der betroffenen Beschäftigten. Doch musste Poul Erik Skov Christensen als Vorsitzender der 3 F erkennen, dass er prinzipielle Bedeutung erlangte: Es gelang der Gewerkschaft nicht, die Verschlechterungen für die Beschäftigten so darzustellen, dass sich daraus eine Arbeitskampffähigkeit oder gar gesellschaftliche Solidarität entwickelte. Der arbeitgebernahe christliche Gewerkschaftsbund Krifa und bürgerliche Politiker konnten den Streit vielmehr zu einem »Kampf um die Freiheit« umdeuten.

Aus den Schlüssen, die Skov Christensen ziehen musste, folgte harte Kritik an der Gewerkschaftsarbeit. Die örtliche Gewerkschaftsgliederung unterschätzte das Konfliktpotenzial, die Zentrale kannte keine Details zum Tarifabkommen, und es gab keine Strategie, wie ein langwieriger Konflikt zu führen sei. »Nächstes Mal müssen wir von Beginn bereit sein mit allen Waffen, die wir zur Verfügung haben. Wir brauchen eine Medienstrategie, um uns in der Öffentlichkeit erklären zu können, und wir brauchen Vertrauensleute vor Ort, auf die wir uns stützen können«, so Skov Christensen. Gleichzeitig kündigte er an, dass 3 F künftig genau analysieren wird, an welchen Arbeitskonflikten man teilnehmen wird, denn den Rückwärtsgang im Fall einer drohenden Niederlage gebe es nicht.

Generell müssen alle großen Gewerkschaftsverbände Dänemarks den Mitgliederrückgang und die Überalterung in der Mitgliederstruktur hinnehmen. Die Bildung von Großverbänden wird als Mittel benutzt, Kosten zu sparen. Doch die Zentralisierung nimmt den Gewerkschaften das Gespür dafür, was sich in den einzelnen Branchen oder Landesteilen regt. Dazu kommt ein Mangel an engagierten und in Tariffragen geschulten Vertrauensleuten in den Betrieben. Auch wird zu viel Energie auf die Verhandlung billigerer Versicherungen und Rabattvereinbarungen für die Mitglieder verwendet statt auf gewerkschaftliche Kernaufgaben.

Viele junge Beschäftigte haben das Gefühl, selbst besser verhandeln zu können als die ferne Gewerkschaft. Die Möglichkeit der lokalen Eigenverhandlung eines Teiles des Gehaltes wurde in den 1990er Jahren eingeführt, wird aber heute als Fehlentscheidung eingeschätzt, da Einflussmöglichkeiten geschwunden sind. Vielen dänischen Arbeitnehmern fehlen nach Jahrzehnten mit umfassenden Rahmentarifabkommen grundlegende Kenntnisse, wie diese zustande kommen und welche Bedeutung sie für den Einzelnen haben. Den verlorenen Faden hier wieder aufzunehmen ist unumgänglich, wollen die Gewerkschaften auch künftig ihre Rolle als Mitregulator des dänischen Arbeitsmarktes behalten.

Wie notwendig eine offensive Strategie ist, zeigt ein Gesetzesvorschlag bürgerlicher Parteien, für Arbeitgeber die Freiheit der Wahlfreiheit zwischen Tarifvereinbarungen. Eine Mehrheit ist zwar kaum wahrscheinlich, doch allein die Vorlage zeigt den Wunsch nach weiterer Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Die regierenden Sozialdemokraten schlugen dagegen vor, Arbeitsmarktrecht im Schulunterricht aufzunehmen, um die jungen Generationen besser auf das Arbeitsleben vorzubereiten.

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