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Kriegsverbissen

Syrien ist um eine Hoffnung ärmer

  • Von Karin Leukefeld, Damaskus
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Feuerpause in Syrien hat nicht gehalten. Da, wo die Rebellen sie verletzten, schlug die Armee besonders hart zurück.

»Stell dich an irgendeinen Punkt der Straße und warte eine halbe Stunde. Dann siehst du, wie die Leute unterwegs sind. Mit ihren Matratzen, Hausrat, ein paar Taschen und Kartons ziehen die einen von hier nach dort, und die anderen kommen von dort nach hier. Jeder will vor der Gefahr fliehen, aber eigentlich weiß niemand, wohin er noch gehen soll.« Oumran* lächelt verhalten, als er seine Beobachtungen während der morgendlichen Fahrt zur Arbeit beschreibt. Oumran hat Glück. Weder Arbeit noch Wohnung hat er verloren, auch seine Familie ist unversehrt, »Al-Hamdu llilah - Gott sei Dank«, sagt er.

Wie nah das Unglück aber auch seiner Familie ist, erfuhr Oumran vor wenigen Tagen. Nach neuen Angriffen der »Freien Syrischen Armee« in seinem Ort, wo die Kämpfer bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht willkommen sind, schlug die Armee dieses Mal besonders hart zu. Zwar gab es keine Gefechte, doch nach den obligatorischen Hausdurchsuchungen anhand von Listen und mit Hilfe der »Augen«, wie maskierte Informanten im Volksmund genannt werden, die die Armee begleiten, geschah etwas, was es zuvor noch nie gegeben hatte in seinem Ort. »Sie öffneten gewaltsam die Rollläden einzelner Geschäfte, nahmen wertvolle Dinge mit, das andere verwüsteten sie, einige Läden wurden angezündet.« Ausgesucht worden seien offenbar Geschäfte, die Unterstützern der »Freien Syrischen Armee« gehörten, doch es habe auch unbeteiligte Geschäftsleute getroffen, vom Textilhändler bis zum Kioskbesitzer. »Sie« - das seien Milizen und Leute vom Geheimdienst gewesen, die die Armee begleiten und allgemein »Shabiha« genannt werden. »Als ein Soldat einem Ladenbesitzer zu Hilfe kommen und ihm beim Löschen helfen wollte, wurde selbst er von diesen Männern zurückgetrieben. Wohnungen über den brennenden Läden sind nun von schmierigem Ruß überzogen.«

Bei den anhaltenden Kämpfen in der östlichen Ghouta, vor den Toren von Damaskus, wo die syrische Armee unter Einsatz der Luftwaffe gegen bewaffnete Gruppen vorgeht, bleiben Werkstätten und einfache Häuser nicht verschont. Viele Familien werden in die Flucht getrieben, wer Verwandte irgendwo in irgendeinem Dorf hat, sucht bei ihnen Zuflucht. Wer Geld hat, sucht ein Hotel oder eine vorübergehende Wohnung in einem sicheren Viertel.

Die Innenstadt von Damaskus und vornehme Wohnstraßen im Diplomatenviertel Malki und Umgebung sind weitgehend abgesperrt. So soll verhindert werden, dass als Bomben präparierte Fahrzeuge dorthin gelangen. Dafür schlagen die Urheber solcher Terroraktionen in anderen Vierteln zu: während des Opferfestes explodierte täglich eine Autobombe in Vororten von Damaskus: in Daf al-Shouk, in Barzeh, und am Montag, zur Mittagszeit, explodierte eine Bombe in dem dicht bewohnten Vorort Jaramana. Mindestens zehn Menschen starben. Der Sprengsatz explodierte in einem vorwiegend von Armeniern bewohnten Viertel, Geschäfte und Fahrzeuge wurden zerstört.

Beide Seiten sind in einen mörderischen Zermürbungskrieg verbissen, analysiert ein politischer Beobachter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er vergleicht das Geschehen mit Spanien, als Republikaner gegen Faschisten kämpften.

Für Oumran findet das Schreckliche in seiner Heimat jetzt und täglich statt. »Die ‚Freie Syrische Armee' wird nicht aufhören«, ist er überzeugt. »Sie werden Syrien zerstören. Sie werden die Armee dazu bringen, Syrien zu zerstören.« * Name geändert

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