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Die Kinder des Gurus

In Franken wird über den Umgang mit der Sekte »Neue Gruppe der Weltdiener« heftig gestritten

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Drei Kinder leben seit Jahren im mittelfränkischen Lonnerstadt in einer kleinen Sekte. Die Behörden sehen aber keinen Grund einzugreifen. Mit Unverständnis reagiert darauf die TV-Journalistin, die den Fall ins Rollen brachte - und auch der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche.

Erlangen (dpa/nd). Trotz der umstrittenen Erziehungsmethoden einer Sekte im mittelfränkischen Lonnerstadt sehen die zuständigen Behörden keinen Grund für ein Einschreiten. »Die Kriterien für eine Gefährdung des Kinderwohls sind nicht erfüllt«, sagte Landrat Eberhard Irlinger (SPD) am Mittwoch in Erlangen. Er selbst und das Jugendamt seien in ständigem Kontakt mit der Familie.

Ganz anders sieht es der Sektenbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Wolfgang Behnk. Er forderte ein rasches Eingreifen der Behörden - weil er überzeugt ist, dass die drei Kinder »in keinen guten Händen« sind. Es gebe einen begründeten Verdacht, »dass in der Sekte die grundgesetzlich garantierte Unversehrtheit der Kinder nicht garantiert ist«, sagte er der dpa. Für ihn sei es »befremdlich und nicht nachvollziehbar«, dass das Jugendamt bislang nicht eingeschritten sei.

Nach Berichten über die »Neue Gruppe der Weltdiener« waren Vorwürfe laut geworden, die Behörden würden sich zu wenig um die drei Kinder kümmern. Sie seien nicht krankenversichert und müssten meditieren statt spielen. Den Fall ins Rollen gebracht hatte die Journalistin Beate Greindl mit einem Fernsehbeitrag. Dem Bericht zufolge soll in dem baufälligen und von Schimmel befallenen Haus nur das Wohnzimmer beheizt werden können, es gebe auch keine Dusche.

Der sichtlich erregte Irlinger sagte, es sei »viel Unsinn« über die Sekte geschrieben worden. Er selbst habe die Familie am Dienstag besucht und sich von dem guten Zustand der Wohnung überzeugt. Seit Jahren bestehe ein enger Kontakt zwischen der Familie und dem Jugendamt sowie den Schulen. Es habe auch mehrere Hausbesuche gegeben, alleine fünf im vergangenen Jahr. Die Kinder seien mit »die Besten in der Schule«, und besäßen sogar einen Computer und »sie spielen auch«. Außerdem seien die Wohnräume hygienisch in Ordnung. Auch der Leiter des Jugendamtes, Otto Schamman, sah keinen Grund, der Familie die Kinder wegzunehmen. Dies könne nur geschehen, wenn es eine akute Gefährdung gebe, also beispielsweise Kinder verletzt worden oder die Eltern suchtkrank seien. Dies liege hier nicht vor. Allein 2012 habe es bereits 33 Aktivitäten gegeben. Außerdem wurde ein gerichtspsychologisches Gutachten zu den Kindern in Auftrag gegeben. Das Ergebnis soll noch in diesem Jahr vorliegen.

Irlinger zeigte sich zugleich entsetzt über manche Reaktionen auf den Filmbeitrag. So habe er Hunderte E-Mails bekommen, in denen er beleidigt und in denen sein Leben bedroht wurde. »Wenn Schreiber so tun, als seien sie die Guten und der Landrat der Böse. Das kann nicht sein«, betonte er. Auch gebe es eine Mahnwache in dem Dorf. »Wenn aber die Mahnwache den Kindern sagt, wir werden Euch schon rausholen, dann ist doch der Sinn verfehlt«, warnte er. Für die Jugendlichen sei dies schließlich eine Bedrohung.

Filmemacherin Greindl zeigte hingegen kein Verständnis für die Haltung des Landrats. »Ich bin sprachlos und frage mich, ob ich alles erfunden habe«, sagte sie auf der Pressekonferenz. Sie habe doch den Schimmel und den schlechten Zustand des Hauses gesehen. Möglicherweise hätten sich die Behörden nur auf die Aussagen der Eltern verlassen. Dies wies Irlinger aber zurück.

Der Sektenbeauftragte forderte Irlinger auf, sich nicht länger schützend vor seine Behörde zu stellen. Für die Kinder rolle »der Zug in die falsche Richtung, mit dem falschen Lokführer und dem falschen Begleitpersonal«.

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