Zwischen Gräbern und Gruften

Viele Menschen haben kein Bild vom Beruf eines Friedhofgärtner - Beobachtungen auf dem Zentralfriedhof Münster

  • Von Julia Wäschenbach, dpa
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Im November ist es dort, wo die Toten liegen, am lebendigsten. Auf dem Friedhof herrscht Hochbetrieb. Extra ausgebildete Friedhofsgärtner, noch dazu Meister, gibt es trotz großer Nachfrage jedoch nur wenige.

Münster. Tino Binder hat zweimal zwei Meter, um Trost zu spenden. So groß ist ein Grab auf dem Zentralfriedhof in Münster (Nordrhein-Westfalen). Er ist Friedhofsgärtner - »Zauberer« und »der Feinmechaniker unter den Gärtnern«, wie er sagt, während er flink mit den Fingern ein Loch nach dem anderen in die Erde drückt und sattgrüne Pflänzchen hineinstopft.

Der Alltag zwischen Gräbern und Gruften ist für den 36-Jährigen normal. Aber: »Viele weinen, wenn sie nach der Beerdigung mit mir über die Pflanzen für das Grab sprechen«, erzählt er. »Daran gewöhnt man sich nie.« Als er aufsteht, bleiben von seinen Knien zwei Mulden in der Erde zurück.

In dieser Nacht hat es gefroren, Nebelschwaden ziehen über den Friedhof mit seinen 65 000 Gräbern. Hier liegen Prominente wie Jürgen W. Möllemann, der Künstler Blinky Palermo und der frühere Kölner Fußballprofi Maurice »Mucki« Banach, der 1991 bei einem Autounfall starb. Den in viele Pulli-Schic...


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