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Lehrerausbildung mangelhaft

Bildungssenatorin Scheeres (SPD) fordert mehr Engagement der Wirtschaft

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Knapp ein Jahr ist Sandra Scheeres (SPD) nun schon im Amt als Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Jürgen Zöllner spielte sie bisher allerdings auf einem »Piano mit Ruhe«, wie Scheeres selbst über ihre bisherige Arbeit als Bildungssenatorin sagt. Hitzige Debatten, wie die zur Schulstrukturreform unter Rot-Rot, hatte sie bisher noch nicht zu überstehen, erklärte sie gestern vor rund 200 Wirtschaftsvertretern in einem Vortrag bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK).

Dennoch hat sich die Bildungssenatorin für die laufende Legislaturperiode einige ehrgeizige Ziele gesetzt: Ganz vorne mit dabei ist die geplante Reform der Lehrerausbildung. Eine Expertenkommission erarbeitet dazu momentan Vorschläge, erste Ergebnisse wurden bereits Ende September präsentiert. So soll der Quereinstieg in den Lehrerberuf erleichtert werden. Ebenso sollen alle Grundschullehrer künftig eine Grundausbildung in den Fächern Deutsch und Mathematik erhalten. Derzeit können Lehrkräfte an Grundschulen beispielsweise Matheunterricht geben, ohne dieses Fach studiert zu haben.

Laut den Ergebnissen des aktuellen Ländervergleichs Grundschulen ist dies aber einer der zentralen Gründe, weshalb sich Berlin gemeinsam mit Bremen und Hamburg das Schlusslicht im Bildungsmonitor teilt.

Zweites wichtiges Reformprojekt in den kommenden Jahren ist nach Ansicht von Scheeres das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern in einer Klasse, auch Inklusion genannt. Die eingesetzte Expertenkommission fordert zur Umsetzung, dass alle Lehrer eine sonderpädagogische Grundqualifikation erhalten. Im Nachbarland Brandenburg ist man beim Thema Inklusion schon einen Schritt weiter. Dort plant man in den nächsten zwei Jahren die schrittweise Einführung inklusiver Schulen.

Scheeres warb bei den Wirtschaftsvertretern für die bisherigen Erfolge Berlins in der Familien- und Bildungspolitik. Eine erfolgreiche Anwerbung von jungen Fachkräften erfordere mehr »als Kultur- und Partyangebote«, sagte die Senatorin. Sie bekräftigte die rot-schwarzen Pläne für einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung. Ziel des Senats ist es, 70 Prozent aller Berliner Kinder einen Betreuungsplatz anbieten zu können. Dazu sollen in den kommenden Jahren insgesamt 19 000 zusätzliche Plätze entstehen, von denen allein 11 000 aus dem 20 Millionen Euro schweren Landesprogramm »Auf die Plätze, Kitas, los!« finanziert werden sollen.

Im bundesweiten Vergleich, so Scheeres, sei Berlin schon jetzt gut gerüstet. Dementsprechend macht sich die Senatorin auch wegen dem ab nächsten Jahr geltenden Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz kaum Sorgen.

Insgesamt gibt das Land Berlin jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Kinderbetreuung aus, was zeige, wie ernst der Senat das Thema nimmt, so die Bildungspolitikerin. Gleichzeitig ermahnte sie aber die Wirtschaft, mehr für Familien und Bildung zu tun.

Unternehmen müssten in Zukunft flexiblere Arbeitszeitmodelle für Eltern anbieten, forderte Scheeres. Außerdem sollten Möglichkeiten geschaffen werden, damit Kinder notfalls auch von einem Elternteil mit in die Firma genommen werden können. Ähnliche Ansätze könnte man bereits in der ihr unterstellten Senatsverwaltung sehen, womit »das Land mit gutem Beispiel vorangeht«.

Die Senatorin unterstrich einen grundsätzlichen Punkt ihrer Politik. »Bildung darf nichts kosten«, erklärte Scheeres. Insbesondere junge Familien würde es sich sonst zweimal überlegen, ob sie ihr Kind ein Angebot wahrnehmen lassen.

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