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Ehrung der Toten vom Petriplatz

Nach archäologischen Funden Andacht der evangelische Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien

(epd). Was passiert mit jahrhundertealten menschlichen Skeletten, die bei archäologischen Grabungen entdeckt werden? Vor dieser Frage stand das Ausgrabungsteam von Claudia Maria Melisch, als es 2007 seine Arbeit an der historischen Keimzelle Berlins, dem Petriplatz, aufnahm. Am Sonntag lädt die evangelische Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien zur Andacht für diese Toten ein.

Der Auftrag der Archäologen lautete, die Fundamente mehrerer Kirchbauten und der übrigen Gebäude, die es hier einmal gab, freizulegen. Sie wussten, dass sie es mit einem Friedhofsgelände zu tun hatten, auf dem vom Mittelalter bis ins frühe 18. Jahrhundert bestattet wurde. Für Melisch galt von Anfang an: »Das ist eine Bevölkerung, die vergessen wurde, die uns aber durch die Gebeine wieder ins Bewusstsein getreten ist.« Und sie folgerte: »Wir graben deren Häuser aus, die Kirche, die Schule. Warum sollen wir da nicht die Menschen, die das geschaffen haben, würdigen?«

So wurde aus Achtung vor den Toten noch vor der Öffnung des ersten Grabes im Mai 2007 vom ehemaligen Pfarrer der Petri-Kirchengemeinde, Peter Reichmayr, eine Andacht auf dem Petriplatz gehalten. Reichmayr, der noch in der Kriegsruine der letzten Petrikirche als Kind gespielt hatte, bevor sie abgerissen wurde, hatte hier schon zu DDR-Zeiten mit Andachten darauf hingewiesen, dass das der Stadt gehörende Gelände einmal Gemeindeland war, das einen alten Friedhof birgt. Die Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien betrachtet die hier Bestatteten als zu ihrer Gemeinde gehörig.

Ein Teil der Gebeine wurde auf dem Friedhof St. Petri-Luisenstadt beigesetzt. Dort wird am Volkstrauertag die Andacht gehalten. Bei den wiederbestatteten Gebeinen handelt es sich um sogenannte Streuknochen, Reste, die durch Eingriffe in das alte Friedhofsgelände von den ursprünglichen Grabstellen weg bewegt wurden und keine vollständigen Skelette mehr bilden. Neben den in Gruben und verstreut umher liegenden Skelettteilen wurden bei den bis 2010 dauernden Grabungsarbeiten von Melisch und ihren Kollegen 3126 Gräber für 3718 Tote freigelegt. Die vollständigen Skelette bewahrt die Gemeinde in der Gruft der Parochialkirche auf.

Andacht auf dem Friedhof St.Petri-Luisenstadt, Friedenstr. 81, Sonntag, 14 Uhr.

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