Marcus Meier 23.11.2012 / Kolumnen
Anti-Kohlekraft-Bewegung

Warum der Tunnelmann nicht irre ist

Was im Hambacher Forst wirklich passierte – und warum das Rheinischen Braunkohle-Revier das Zentrum der aufblühenden Anti-Kohlekraft-Bewegung bilden wird

Das »nd«-Interview mit »Herrn Zimmermann«, jenem Aktivisten, der vier Tage in einem unterirdischen Tunnel ausharrte und so die Räumung und Rodung des Hambacher Forstes behinderte – es schlug einige Wellen. Und schon blühen die feinsten Verschwörungstheorien. Warum der Widerstand am Kraterrand völlig rational ist, erklärt Marcus Meier.

Gut 13 500 Tonnen wiegt dieser RWE-Bagger im Tagebau Hambach, der zusammen mit sieben »Kollegen« täglich über 100.000 Tonnen Braunkohle fördert. Kein Wunder, wenn das Rheinische Braunkohlerevier da als klimaschädlichste Region Europas gilt
Faszinierend: Ich stehe schon wieder im Mittelpunkt einer neuen Verschwörungstheorie. Zum zweiten Mal binnen zwei Wochen. Das kriegt, glaube ich, selbst der Mossad nur in wirklich guten Monaten hin... Worum geht's? Das von mir geführte »nd«-Interview mit »Herrn Zimmermann«, dem Braunkohle-Gegner, der sich vier Tage in einem sechs Meter tiefen und 15 Meter langen Tunnelsystem mit der Polizei Katz und Maus spielte, wurde von einigen Medien aufgegriffen. So auch von der in und um Köln bedeutsamsten Tageszeitung. Der »Stadtanzeiger« verfügt traditionell über fantasiebegabte Leser, die zu kraftvollen Kommentaren neigen – so auch in diesem Fall: BartSimspen sagt: Der Wahnsinn geht weiter und das SED-Organ »Neues Deutschland« hat seine Finger drin. In einem anderen Artikel einer Zeitung hat die Polizei schwere Vorwürfe gegen den selbsternannten Umwelt- und Klimaaktivist erhoben. Er sollte die Polizei und Feuerwehr bei ihren Hilfsmaßnahmen beleidigt haben, wie ein wildgewordener Irrer. Und hoffentlich wird der Irre bald weggesperrt, damit der Wahnsinn mal aufhört. Subbapa sagt:Der Kölner Stadt Anzeiger bezieht sich auf ein sozialistische Kampfblatt. Man könnte dem Lochmenschen ein Vorschlag zur Güte machen. Rein ins Loch, dieses mal wirklich an einen Betonklotz ketten und vergessen.Das »nd« (strenggenommen: der Verfasser auch dieser Zeilen!) hat also die Finger drin im Lochmenschen-Wahnsinn – und dann bezieht sich auch noch die heimische Lokalpresse auf dieses sozialistische Kampfblatt. Und außerdem existiert die SED doch noch...Wo soll das enden? Das weiß wahrscheinlich nur die Bewegung der Klimawandelleugner, die dieses Thema allerdings noch nicht für sich entdeckt hat. Schade, ihre bisherigen Verschwörungsideen könnten ein Update sehr gut gebrauchen. Und zwar alle, bittschön! Und nicht nur jene, in denen ich eine gewisse Rolle spielen soll. Wer ist hier wahnsinnig? »Herr Zimmermann« ist durchaus nicht, wie »BartSimpsen« vermutet, dem Wahnsinn verfallen. Man mag nicht jedes seiner Argumente teilen. Man mag seine Aktion für arg verwegen halten. Man mag, last not least, skeptisch sein gegenüber anarchistischen und »anti-spezisistischen« Ideen.

Warum endet dieser Text denn jetzt schon? Mittendrin? Ich möchte den Artikel gerne weiterlesen!

Um den ganzen Artikel zu lesen, benötigen Sie ein entsprechendes Abo. Wenn Sie schon eins haben, loggen Sie sich einfach ein. Wenn nicht, probieren Sie doch mal unser Digital-Mini-Abo: