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Money, money, money ...

Christina von Braun bietet eine Kulturgeschichte des Geldes

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Bücher zur Geschichte des Geldes scheinen ein Renner zu sein, sie erscheinen im Jahrestakt: 2009 »Geld in der Geschichte« von Karl Walker, 2010 der »Aufstieg des Geldes« von Niall Ferguson, 2011 »Schulden. Die ersten 5000 Jahre« von David Graeber - und also nun von Christina von Braun eine Kulturgeschichte des Geldes. Diese Häufung ist kein Zufall, hat mit der Wirtschaftskrise zu tun, die auch - wenn man den Medien glaubt, sogar in erster Linie - eine Banken-, Schulden- und Währungskrise ist.

Seit einem Jahrfünft werden von den Regierungen in Europa und den USA Milliardenbeiträge aus dem Boden gestampft und an »bedürftige« Unternehmen, Banken und Staaten verteilt. Wie ist denn das möglich? Und kann das gut gehen? Das fragen sich nicht nur Ökonomen. Auch Normalbürger kommen ins Grübeln: Was ist Geld überhaupt? Wo liegt sein Ursprung? Welche Rolle hat es in der Geschichte gespielt?

Antworten darauf bietet Christina von Braun. Sie sieht im Geld nicht in erster Linie eine frühe »Erfindung« zur Erleichterung des Warenaustausches, wie es im Schulunterricht und an den Universitäten gelehrt wird. Für sie lassen sich die Anfänge des Geldes - in Münzform - auf frühreligiöse Opferriten zurückführen. Ihre Beweisführung ist verblüffend einfach: Auf den frühen Münzen befinden sich Symbole für Opfertiere und Opfergeräte.

Entstanden in der heidnischen Antike, entwickelte sich die Geldwirtschaft besonders rasch im christlichen Kulturraum. Die Deckung des Geldes ließ schon in frühen Münzzeiten zu wünschen übrig, seit dem 20. Jahrhundert ist sie rapide gesunken. Spätestens mit der Entscheidung von USA-Präsident Nixon 1971, die Golddeckung für den Dollar aufzuheben, endete sie vollständig. »Es gibt heute einen breiten Konsens, dass das Geld keine materielle Deckung hat und ohne diese gut auskommt«, schreibt Christina von Braun. Sie sieht für das Geld eine Deckung anderer Art: dessen Akzeptanz in der Gemeinschaft, innerhalb der es kursiert: »Drei Dinge sind auf einander angewiesen: Gerechtigkeit, der Glaube ans Geld und der Glaube an die Gemeinschaft. Fehlt eines, steht die Krise ins Haus.«

Die Geschichte des Geldes ist daher bei Christina von Braun eng mit der Geschichte sehr unterschiedlich organisierter Gemeinschaften verbunden, die historisch entstanden, sich entwickelten und einander ablösten. Die Geschichte des Geldes wird von ihr deshalb weniger aus ökonomischer, eher aus historischer, psychologischer, sozialwissenschaftlicher, philosophischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet. Sie deckt dabei kaum beachtete Zusammenhänge auf.

Die Autorin stellt die interessantesten Geldtheorien von der griechischen Antike über das christliche frühe Mittelalter bis zu Denkern des 19./20. Jahrhunderts wie Max Weber und Alois Schumpeter vor und setzt sich mit ihnen auseinander. Von gängigen Auffassungen lässt sie sich wenig beeindrucken. Das zeigt sich z. B., wenn sie im Kapitel »Geld und Gemeinschaft« im Abschnitt »Kapitalismus und Sozialismus« schreibt: »Die Geschwindigkeit, mit der sich die kommunistischen Länder nach 1989 den kapitalistischen Spielregeln anpassten, wird gerne als ein Zeichen der Überlegenheit des Kapitalismus interpretiert. Das ist mehr als fragwürdig. Auch der Sozialismus hat bemerkenswerte ökonomische Leistungen vollbracht.«

Es ist wohl letztlich ihr »Querdenken«, das den anspruchsvollen Band der Kulturhistorikerin und Feministin, die viele Jahre in New York und Paris tätig war und heute als Professorin für Kulturtheorie an der Berliner Humboldt-Universität lehrt, so interessant macht.

Christina von Braun: Der Preis des Geldes. Eine Kulturgeschichte. Aufbau Verlag. 510 S., geb., 34 €

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