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Über - harten - Rock reden? Albern, überflüssig, unmöglich. Weil er überall ist, ist er gewissermaßen nirgends, und das schon ewig. Dummerweise kommt man so nicht weiter - nicht vorwärts beim Schreiben, und mit den Bands nicht zurück in ihre oder in eine andere, herbeizitierte Vergangenheit. Wie gegenwärtig, hip oder cool das je beliehene Erbe für den Hörer klingt, ist, na klar, eine Frage der Mode, und ohne das Nicht-Modische nicht zu denken.

Arg satt gefressen hatte man sich zuletzt am choralstarken Hippie-Wiedergängertum melodienseliger US-amerikanischer Bands à la Fleet Foxes. Noch nicht vorbei scheint der kleinere Hype um die Neo-Hippie-Kollegen von der Rockfraktion. Moon Duo aus San Francisco zum Beispiel: Im Grunde unterscheidet sich deren jüngstes Album »Circles« durch rein gar nichts vom Vorgänger »Mazes«. Moon Duo spielen betont einfache, stets rhythmisch-hypnotische E-Piano-, Orgel- und vom Blues inspirierte Gitarrenriffs so lange, bis man besoffen davon ist. Dazu hüpfen federnde Tanzbeats aus der Box, Ripley Johnsons Gitarre beschwört Schlangenwesen aus LSD, und verhallte Verführerstimmen singen Dinge unter Echoeinfluss. Es sind die monothematische Konsequenz und die stoische Lässigkeit des Vortrags, die überzeugen. Um Innovation geht’s im Rockgeschäft der Gegenwart kaum - und hier schon gar nicht.

Bereits im Spätsommer erschienen ist »Unsound«, das jüngste, aber gewiss nicht das letzte Album von Mission of Burma, dieser seit ihren Anfängen im Jahr 1979 tendenziell unterschätzten Art-Punk-Noise-Band aus Boston. Im Dezember wird ein Best-of-Album von ihnen erscheinen; für den Einstieg ins Werk der Band eventuell nicht das schlechteste, und für die Band die Möglichkeit, ein paar zusätzliche Dollars zu machen.

Dem stockkonservativen US-Punk-Umfeld der Achtziger waren Mission of Burma nicht geheuer, um so stärker beeinflussten sie Innovatoren der Szene, Black Flag und Hüsker Dü etwa, später Fugazi. Der sehr spezielle Rumpelbass, der auch den Sound der personell verwandten Gruppe Volcano Suns prägte, bleibt einmalig. Er und das ungemein wuchtige Schlagzeug. Ach, und dieses phänomenale Gespür für spannende Soundverfremdungen, komplexe Songverläufe, ungerade Rhythmen, ohne auf eingängige, nahezu testosteronfrei gegrölte Refrains zu verzichten - das und noch mehr kann auch »Unsound«. Wer nie wahnsinnig angesagt war, kann nicht unvorteilhaft altern. Ein zeitloser, unverbrauchter Solitär, diese Band.

Von Mission of Burma ist es kein großer Schritt zu den drei sympathischen jungen Krachmachern von Metz aus Toronto und ihrem Debüt »Metz«. Zumindest wenn man von Mission of Burma weiter schaut zu teils (wahl-)verwandten Pre-Grunge und prägenden Noise-Bands wie den Volcano Suns, The Jesus Lizard, Steel Pool Bath Tub, Big Black, Tad oder Unsane. Die frühen Nirvana nicht zu vergessen. Der Sänger schreit amtlich, aber beseelt; Gitarre, Bass und Schlagzeug fiepen, bollern, dröhnen und scheppern, dass es eine Pracht ist. Von den Noiserock-Bands der Gegenwart passen die in der schmutzigen Garage mit reichlich Dreck beworfenen Reduktionshymnen von Metz wohl am besten zu den Songs der Japandroids. Wir könnten jetzt von Neo-Noise reden, weil da offensichtlich was am Gären, am Wachsen ist. Indes ist die schöne Musik für so einen blöden Begriff viel zu schade.

Moon Duo: Circles (Souterrain Transmissions / Rough Trade)
Mission of Burma: Unsound (Fire Records / Cargo)
Metz: Metz (Sub Pop / Cargo)

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