Werbung

Mitten im Land der Täter

Vom UN-Lager zum selbstverwalteten Camp

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Bereits in der 1940er Jahren hatten die Alliierten überlegt, wie nach dem Sieg über Deutschland das zu erwartende Problem mit den unzähligen befreiten KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern zu lösen sei. Ein erster Schritt dazu war die Gründung der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA). 1943 hoben 44 Nationen diese Flüchtlingsbehörde der Vereinten Nationen aus der Taufe.

Damit war die rechtliche und organisatorische Grundlage für den Aufbau der sogenannten Displaced Persons Camps (dt. Lager für verschleppte, entwurzelte Personen) im Nachkriegsdeutschland geschaffen. Obwohl auch die Sowjetunion zu den Signaturstaaten der UN-Organisation gehörte, verweigerte Moskau der UNRRA jegliche Tätigkeit in der sowjetischen Besatzungszone.

Als Deutschland im Mai 1945 kapitulierte, befanden sich über sieben Millionen Displaced Persons (DPs) aus rund 20 Nationen auf dem Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches. Die überwiegende Mehrheit kehrte bis zum Herbst 1945 in ihre Heimatländer zurück. Etwa eine Million Menschen waren gesundheitlich in schlechter Verfassung oder verweigerten aus politischen oder sozialen Gründen die Rückkehr.

Dazu gehörten auch die jüdischen DPs, deren Gemeinden zerstört und deren Angehörige und Freunde ermordet worden waren. Für diese entwurzelten Menschen beschlagnahmten die alliierten Besatzungsmächte alle Gebäude, die sie für geeignet hielten: Sanatorien, Schulen, Kasernen, Hotels, Bauernhöfe und Wohnsiedlungen.

Da anfänglich jedoch alle DPs nach Nationalitäten untergebracht wurden, mussten manche der jüdischen Verfolgten mit ihren früheren Peinigern, wie etwa baltischen oder ukrainischen Nazi-Kollaborateuren, in denselben Baracken zusammenleben. Unter ihnen befanden sich »einige der blutrünstigsten Schergen der SS und der Gestapo«, wie Koppel S. Pinson, Mitarbeiter der amerikanisch-jüdischen Hilfsorganisation American Jewish Joint Distribution Committee (AJDC), mit Entsetzen feststellte. US-Militärrabbiner alarmierten die Öffentlichkeit über diese unhaltbaren Zustände, worauf der amerikanische Präsident Harry S. Truman im Sommer 1945 den Aufbau von eigenen Wohngebieten und Gemeinden für Juden anordnete.

Mitten in Deutschland konnte sich somit eine unabhängige jüdische Gesellschaft entwickeln, mit eigenen Schulen, Zeitungen, Theatern, politischen Parteien und Sportvereinen. Diese Einrichtungen wurden durch die UNRRA beziehungsweise der Nachfolgerin International Refugee Organization mit lebensnotwendigen Gütern versorgt.

An der Spitze der jüdischen Selbstverwaltung stand das »Zentralkomitee der befreiten Juden« mit Sitz in München. Daneben etablierten sich Regionalkomitees in Frankfurt am Main, Bamberg, Regensburg und Stuttgart. Mitten im Land der Täter konnte sich somit eine demokratisch verfasste jüdische Gesellschaft entwickeln.

Der Autor ist Leiter des »Nürnberger Instituts für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts« (www.nurinst.org). Zurzeit stellt das Institut ein Internetlexikon über alle in Bayern zwischen 1945 und 1950 bestehenden jüdischen DP-Lager und -Gemeinden zusammen.
www.after-the-shoah.org

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen