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Dem deutschen Schach fehlen Popularität und Geld

Seriensiegerin Elisabeth Pähtz kehrt zur nd-Damenschachgala aus der Türkei zurück

Bereits viermal hat Deutschlands beste Schachspielerin ELISABETH PÄHTZ die Internationale nd-Damenschachgala gewonnen. Titel Nummer fünf wird für die 27-jährige Berlinerin keine leichte Aufgabe. Gegen die russische Europameisterin und Blitzschach-Weltmeisterin Walentina Gunina, 23, möchte sie einen Stichkampf unbedingt verhindern.

nd: Schon viermal sind Sie bei der nd-Schachgala als Erste durch's Ziel gegangen. Entsprechend erwarten Ihre Fans von Ihnen, dass Sie auch 2012 wieder gewinnen. Ist das eine Belastung für Sie?
Pähts: Nein, überhaupt nicht. Die einzige »Belastung« ist vielleicht, dass ich bisher entweder ganz vorne oder ganz hinten gelandet bin und der »Druck«, nicht wieder Letzte zu werden, nach wie vor da ist. Mein Ziel ist das Finale.

Ihre schärfste Konkurrentin wird die Blitzschach-Weltmeisterin Walentina Gunina aus Russland sein. Können Sie auch diese Gegnerin schlagen?
Valja ist im Schnellschach weniger überzeugend als im Blitzschach. Daher sollte ich sie besser vor einem eventuellen Blitzstichkampf - nur im Fall von Punktegleichheit - zu schlagen versuchen.

In den vergangenen Monaten haben Sie die B-Auswahl der Türkei trainiert. Ihre Bilanz?
Ich habe Talente betreut, die sich früher oder später hoffentlich einen Platz in der Nationalmannschaft erkämpfen werden. Das sind ausnahmslos noch Mädchen, die Älteste ist 16 Jahre alt. Allerdings fällt eine Bilanz schwer, weil ich die Mädchen nur im Lehrgang gesehen habe und mir die Turniererfahrung mit ihnen fehlt.

Wie sah Ihre Arbeit aus?
Ich habe in Ankara gewohnt und dort direkt am Sitz der türkischen Schachföderation gearbeitet. Ab und zu hat man mich zum gesonderten Einzeltraining mit Nezihe Ezgi Menzi nach Istanbul geschickt. Die 14-jährige ist eine der Nachwuchshoffnungen der Türkei.

Dort wurde in den vergangenen Jahren intensiv das Schulschach gefördert. Mehr als 2,2, Millionen Kinder und Jugendliche haben seitdem das Spiel gelernt. Ein Vorbild für Deutschland?
In der Türkei fließt viel Geld in Fußball, Volleyball und Basketball - aber eben auch in das Schach. Das sind Möglichkeiten, die der Deutsche Schachbund DSB leider nicht besitzt. Daher ist es schwierig, von einer Vorbildfunktion zu reden. Hinzu kommt, dass Schach nicht sonderlich populär ist in Deutschland.

Woher kommt das Geld für Schach in der Türkei?
Die Schachföderation wird ausschließlich von einem Bankhaus finanziert, das sponsert jährlich Millionen. Und dass diese Bank als Sponsor gewonnen werden konnte, ist allein Erfolg von Ali Nihat Yazici, der bis vor Kurzem Präsident der Türkischen Schachförderation war. Ich denke, dass die Verantwortlichen beim DSB über keine vergleichbaren persönlichen Kontakte verfügen. Außerdem ist Ali Nihat Yazici ein Mann, der buchstäblich an jede Tür geklopft hat, um neue Sponsoren zu gewinnen. Ob es beim DSB Leute gibt, die etwas Ähnliches machen, weiß ich nicht. Und wie sich die Türkische Föderation nach der Wahl von von Frau Gülkiz Tulay zur neuen Präsidentin entwickeln wird, bleibt auch erst einmal abzuwarten.

Sie haben Ihren Vertrag als Trainerin zum Monatsende gekündigt. Warum?
Weil der Job in der Türkei übermäßig viel mit bürokratischer Tätigkeit befrachtet war, während die praktische Arbeit mit den Spielerinnen nach meinem Verständnis von Trainerarbeit viel zu kurz kam. Abgesehen davon, finde ich ein Leben ohne gute Weine und Schweinefleisch auf Dauer etwas anstrengend (lacht).

Wie geht es jetzt für Sie weiter, nach Ihrer Rückkehr aus der Türkei?
Noch habe ich keinen neuen Job oder Plan für 2013, jedoch mache ich mir darüber gar keine Gedanken.

Fragen: René Gralla

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