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Hüte dich vorm Nazi-Punk!

Bundeszentrale für politische Bildung nimmt peinliches »Extremismus«-Video aus dem Netz

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.
In einem Internet-Video setzte die Bundeszentrale für politische Bildung »linke Autobrandstiftungen« und »rechte Dönermorde« gleich. Jetzt muss der skandalöse Clip überarbeitet werden.

Was macht eigentlich die »Bundeszentrale für politische Bildung«, das Steuermillionen-Volksaufklärungsinstitut? Vor »Extremismus« warnen: »Es herrscht Bombenstimmung in Deutschland. Die Linken fackeln Luxuskarossen ab und die Rechten kontern mit den sogenannten Dönermorden. Dazu kommen Sprengstoffgürtel aus einer ganz anderen Ecke. Aber warum zur Hölle müssen diese Extremisten ihren Privatkrieg hier im Restaurant an der Ecke oder an der nächsten Bushaltestelle abziehen? Wie sehen die eigentlich aus und wie erkennt man sie?«

»Ahnungslos - Was ist Extremismus« heißt der poppige Clip. Wie treffend der Titel ist, zeigt nicht nur die unsägliche Gleichsetzung zwischen den keineswegs von »Extremisten« verübten jüngeren Autobrandstiftungen und der Mordserie des NSU sowie die Tatsache, dass es »hier« bisher keine Selbstmordattentate gab. Uninformiert ist auch, was gleich danach über das »Erkennen« folgt: Die Rechten hätten sich den Linken angepasst, heißt es. Doch eingeblendet wird ein Punk mit Irokesenschnitt. Zur weiteren Sortierung wird die Nase empfohlen: »Die Linken riechen ein bisschen besser, weil sie bei den häufigen Demonstrationen eine kostenlose Ganzkörperdusche genießen.« Wasser marsch, das Punker-Männchen wirbelt durchs Bild.

Sehr lustig. Und was lernt das Kind oder der sonstige an politischer Bildung Interessierte? Dass, wer von Wasserwerfern getroffen wird, Autos angezündet hat, so wie neulich im Stuttgarter Schlossgarten? Wer den Clip so ernst nimmt, wie es sein Auftraggeber verdient und beansprucht, reibt sich die Augen. Im Film landen »Extremisten« wegen Gewalt im Kittchen, eingeblendet wird eine Figur mit Molotow-Cocktail, Pistole und Sprengstoffgürtel. Dass es politisch motivierte Straftatbestände wie Volksverhetzung, Herabwürdigung des Bundespräsidenten oder der staatlichen Symbole gibt, die ebenfalls mit Haft bestraft werden können, braucht niemand zu wissen. Stattdessen gibt es eine Ladung Rassismus: Mehrfach wird der Sprengstoffgürtel mit »arabisch« stilisierter Kleidung assoziiert.

Dass dies dann doch zu sehr an das erinnert, was man hierzulande gerne anderen vorhält, ist nach Internet-Protesten und einem Beitrag vom Freiburger »Radio Dreyeckland« auch der Bundeszentrale aufgefallen. Dort ist das Video seit kurzem nicht mehr verfügbar, es werde »überarbeitet«, heißt es. Wie aber kommt ein solches Machwerk überhaupt zustande? Gibt es bei der Bundeszentrale keine qualifizierte Abnahme solcher Beiträge? Die Bundeszentrale rief gestern nicht wie vereinbart zurück. Vielleicht wollte sie auf Nummer sicher gehen. Schließlich ist diese Zeitung laut Familienministerium selbst »linksextrem«. Obwohl sie keine Autos anzündet.

Im Internet unter den Suchworten »Bundeszentrale«, »Video« und »Extremismus«.

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