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"Fußballfans gegen Homophobie"

Drittligist SV Babelsberg 03 enthüllte als erster Profiklub Werbebande zur Unterstützung der bundesweiten Kampagne

  • Von Katja Herzberg, Potsdam
  • Lesedauer: 5 Min.
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So selbstverständlich wie im Karl-Liebknecht-Stadion wird fast bei keinem anderen Fußballverein gegen Diskriminierung vorgegangen. Wenn der SV Babelsberg 03 als erster Profiverein im Männerfußballgeschäft die Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie" mit einer eigenen Werbebande unterstützt, sind Verantwortliche und Fans erfreut. Doch brüsten will sich mit der Aktion niemand. „Wir haben schon seit Langem in unserer Satzung festgeschrieben, dass wir keinerlei Diskriminierung dulden. Unseren Einsatz gegen Rassismus und Homophobie sind die Leute mittlerweile gewohnt", sagt der Vorstandsvorsitzende Thomas Bastian am Samstagmittag kurz vor Enthüllung der Werbetafel an einem der teuersten Plätze – sie ist im Schwenkbereich der TV-Kameras direkt unter dem Banner der Ultras vom Filmstadt Inferno in der Nordkurve angebracht. Im Hintergrund ertönt die Liedzeile „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben" von der Rapperin Sookee durch die Stadionlautsprecher.

Bastian wurde in den letzten Tagen häufig gefragt, warum Babelsberg nun dieses Zeichen gegen die Abwertung und Ausgrenzung schwuler und lesbischer Menschen setzt. Für ihn ist das eine Selbstverständlichkeit und bei Babelsberg gelebte Praxis, wie er bereits im „nd"-Interview von Mittwoch sagte: „Wenn irgendjemand: 'Du dumme Schwuchtel!' ruft, dann stehen zehn auf und sagen: 'Das wollen wir hier nicht hören!'"

Wenig später wird der Vereinschef von den Initiatoren der Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie", Fanvertretern und dem Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Jann Jakobs, auf den Rasen begleitet. Spieler und Trainer des bei der ersten Drittliga-Begegnung der Rückrunde gastierenden Chemnitzer FC interessieren sich nicht für die Präsentation der in der dunkelblauen Vereinsfarbe gehaltenen Bande mit dem Schriftzug „Nulldrei gegen Homophobie". Sie scheuchen die Pressevertreter für ihre Aufwärmübungen an die Rasenkante. Anders die Babelsberger Profis. Sie freuen sich nach Aussage von Trainer Christian Benbennek über die Aktion und bekennen sich mit ihrer Anstellung in Babelsberg zur Vereinssatzung und ihren Prinzipien für ein tolerantes Miteinander und gegen die Diskriminierung sowie Diffamierung anderer Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder ihrer sexuellen Orientierung.

Auch Jakobs macht auf dem Platz stehend deutlich, dass Homophobie wie Rassismus im toleranten Potsdam nichts zu suchen hätten. Die Äußerungen werden von einigen Personen im Gästeblock mit Buh-Rufen beantwortet. An denen brauche man sich kein Beispiel nehmen, sagt er später dazu und verweist indirekt auf sein erfolgreiches Engagement in Brandenburgs Landeshauptstadt. Erst im September verhinderten Tausende Potsdamer – darunter Babelsberger Fans genauso wie der Bürgermeister – einen Nazis-Aufmarsch durch die Stadt. Am Samstagmorgen grüßte eine Regenbogenfahne am Babelsberger Rathaus Anwohner und Anreisende.

Große Freude ist den Vertretern von „Fußballfans gegen Homophobie" anzusehen, als sie die weiße Abdeckung von der Bande nehmen. Im Juni 2011 hatten Fans von Tennis Borussia Berlin und der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg die Idee, aktiv gegen Homophobie im Fußball zu werden. Dafür malten sie ein lila-weißes Banner mit der Aufschrift „Fußballfans gegen Homophobie". Bei den Respectgaymes 2011 in Berlin wurde es zum ersten Mal gezeigt, wie einer der Initiatoren, Christian Rudolph, im Oktober gegenüber „nd" erzählte. Anschließend ging es auf Tour. Zahlreiche Fangruppen bestellten es in ihre Kurve, um auf die Diskriminierung von homo-, trans-, inter- oder bisexuell lebenden Menschen aufmerksam zu machen. Inzwischen war das Transparent an mehr als 30 Orten zu sehen, in der 1. und 2. Bundesliga ebenso wie im Ausland und beim Frauenfußball.

Auch im „KarLi" war der „Kuss" schon zu Gast. Am 20. November letzten Jahres hing das Banner eine Halbzeit lang im Ostblock und anschließend in der Nordkurve. Nachdem bei Tennis Borussia im Oktober eine Werbebande mit der Aufschrift „Fußballfans gegen Homophobie" enthüllt wurde, kam auch bei Babelsberg Fans die Idee auf, ein dauerhaftes Zeichen zu setzen. Im Fanbeirat, einem von den Nulldrei-Fans gewählten Gremium, stieß Maik Dudzak das Vorhaben an. „Solch eine Bande ist ein wichtiges Zeichen. Es steht im Einklang mit den Werten, für die Babelsberg steht. Und es passt gut zusammen, dass sich nun ein Profiklub hinter die Kampagne stellt, weil auch sie sich gerade professionalisiert." Dudzak spricht Pläne an, eine internationale Tour und weitere Veranstaltungen zu Homophobie im Fußball zu organisieren.

Wie lange die Bande in Babelsberg zu sehen sein wird, ist offen. Möglich wurde die kurzfristige Anbringung nicht nur, weil Fans und Vereinsverantwortliche sich nach wenigen Gesprächen einig waren, sondern auch weil der Klub noch immer freie Plätze für Sponsoren hat.

Den für die Akquise nötigen attraktiven Fußball versuchte die Babelsberger Mannschaft nach der Enthüllung der Werbetafel auf dem Platz gegen Chemnitz zu zeigen. In einer engen Partie, die mit dem Ausgleich zum 1:1 von Seiten der Babelsberger unmittelbar vor dem Schlusspfiff in der Nachspielzeit endete, blieben homophobe Sprüche die Ausnahme. Doch dass auch sie im KarLi ab und an zu hören sind, verdeutlicht die Notwendigkeit des Engagements von Fußballfans, -vereinen und -verbänden.

Abgerundet wurde die medienwirksame Bandeneröffnung von Seiten des Fanprojekts mit einem Vortrag zu Homophobie im Fußball von Jan Tölva, der u.a. für „nd" als Autor tätig ist. Er machte deutlich, dass die Diskriminierung von LGTB-Personen (deutsch: Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans) ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und vor allem daher rührt, dass „sehr viele sehr wenig wissen".
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