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Mit Zink gegen Erkältung?

Nahrungsergänzungsmittel kann erhebliche Nebenwirkungen verursachen

Ginge es nach dem Willen des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik, dann müsste der gesunde Bürger täglich 15-30 Milligramm zusätzliches Zink schlucken, um gegen Schnupfen gewappnet zu sein. Doch diese Empfehlung ist weder gesichert noch unbedenklich.
»Die Einnahme von Zink-Präparaten verkürzt die Erkältungsdauer nachweislich«, erklärt das Institut und verweist auf die Studienergebnisse eines Forscherteams aus Detroit. Danach habe sich die Krankheitsdauer von 25 Freiwilligen, die nach Ausbruch einer Erkältung Zinkpastillen statt Scheinmedikamenten lutschten, im Durchschnitt von acht auf nahezu vier Tage reduziert. Eine genauere Analyse der Studie stellt dieses Ergebnis jedoch in Frage. Da die Autoren die Zahl der Fiebertage mit lediglich 0,2 und 0,4 angeben, liegt die Vermutung nahe, dass im Rahmen ihrer Studie gar keine richtigen Erkältungsfälle vorlagen. Dies lässt ebenso am Wert der Resultate zweifeln wie der Tatbestand, dass die Zinkprobanden doppelt so lange unter Fieber litten wie die Placeboempfänger. Während das Geschäft mit Zinkpräparaten längst angelaufen ist, und schon vereinzelte Sensationsmeldungen für Umsatz sorgen, wird sich die Wissenschaft nicht darüber einig, ob das Spurenelement tatsächlich einen nachweisbaren Effekt auf Erkältungskrankheiten hat. Denn neben jenen Studien, die dem Zink einen Nutzen zusprechen, gibt es eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen, die keinerlei positive Effekte fanden. Im Gegenteil: Oft genug erkrankten die mit Zink behandelten Probanden sogar schwerer als Personen aus der Kontrollgruppe. Der Nutzen von Zinksupplementen im Kampf gegen Erkältungen ist also - einmal abgesehen vom Placeboeffekt - bisher nicht belegt. Offenbar sind selbst jene Ernährungsexperten, die Nahrungsergänzung unterstützen, von den Erfolgsmeldungen nicht recht überzeugt. Wie anders ist es zu erklären, dass sie die Einnahme von Zink nicht in jener Dosis empfehlen, die sich in den Studien angeblich als vorteilhaft erwiesen hat, sondern stattdessen in deutlich geringerer Menge? Auch die Hersteller der Präparate achten peinlichst genau darauf, die 15-Milligramm-Grenze nicht zu überschreiten - vermutlich, um sich Schadensersatzklagen vom Hals zu halten. Denn es ist schon lange bekannt, dass regelmäßige Zinkeinnahmen ohne ärztliche Anleitung zu Kupfermangel führen können. Die möglichen Nebenwirkungen von Zinksupplementen zeigten sich nicht zuletzt bei etlichen Probanden, die diverse Studien frühzeitig abbrechen mussten. Sie litten unter Mundreizungen, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung. Doch nicht nur eine therapeutische Zinkdosis kann negative Folgen haben. Verschiedene Autoren geben zu bedenken, dass sich jedes Zinkpräparat, und sei es noch so niedrig dosiert, auf das Kupfergleichgewicht des Körpers auswirkt. Das ist äußerst beunruhigend, denn die Zinkbonbons mit Zitronengeschmack sind schnell und auch oft in größeren Mengen gelutscht als auf der Verpackungsbeilage empfohlen. Vor allem dann, wenn sie Kindern in der Hoffnung verabreicht werden, diese würden sich dadurch seltener eine Erkältung einfangen.

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