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Beipackzettel gefährden die Gesundheit

Krankenkassen und Verbraucherschützer fordern patientengerechtere Informationen über Medikamente

  • Von Martina Janning
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Packungsbeilagen von Arzneimittel sind zu klein geschrieben und nicht verständlich. Krankenkasse und Verbraucherschützer fordern patientengerechte Informationen.

Beipackzettel für Arzneimittel sind schlecht lesbar, schwer verständlich und zu umfangreich, so lautet das Ergebnis einer Studie des Wissenschaftliche Institut (WIdO) der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Fast jeder dritte Patient fühlt sich durch die Packungsbeilagen verunsichert. »Das führt dazu, dass Medikamente gar nicht oder falsch eingenommen werden«, erklärte Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes bei der Vorstellung der Untersuchung in Berlin. Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert die AOK patientenfreundliche Gebrauchsinformationen. »Es gibt nicht nur Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten, sondern auch von Packungsbeilagen«, sagte Edda Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. Jedes Jahr sterben in Deutschland schätzungsweise 57 000 Menschen aufgrund unerwünschter Arzneimitteleffekte, häufig durch falsche Dosierung oder Nichtbeachten von Wechselwirkungen und Gegenanzeigen. Etwa 28 000 Fälle ließen sich durch bessere Beipackzettel vermeiden. Zudem landen jährlich etwa 100 Tonnen Arzneimittel im Müll. Wert: 500 Millionen Euro. Etwa ein Viertel der Packungen ist nicht einmal angebrochen. Die WIdO-Studie gibt Aufschluss über die Gründe: 42 Prozent der Befragten hielten Packungsbeilagen für zu lang, 20 Prozent für unverständlich und 17 Prozent bemängelten die Schriftgröße als zu klein. Das erfuhren die Wissenschaftler, indem sie 1900 Versicherte interviewten und die Beipackzettel der 100 am meisten verordneten Arzneimittel analysierten. Dabei dürften die genannten Mängel eigentlich gar nicht vorkommen. Denn der Gesetzgeber schriebt Pharmafirmen allgemeine Verständlichkeit ebenso vor wie eine lesbare Schriftgröße. Doch keiner der untersuchten Beipackzettel hatte die geforderte Mindestschriftgröße von acht Punkt Didot, berichten die Autoren der Studie. Zudem war ein Viertel der Fremdwörter nicht übersetzt. AOK und Verbraucherzentrale forderten das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) daher auf, sich an die gesetzlichen Vorgaben und seine eigenen Empfehlungen zu halten. Darin heißt es: »Die Informationen sind in einfacher, dem Durchschnittspatienten verständlicher Sprache abzufassen. Fachwörter sind ins Deutsche zu übersetzen (...) Abkürzungen sowie überlange Sätze sollen vermieden werden.« Nach Ansicht von AOK-Chef Ahrens sollten neue Medikamente nur noch zugelassen werden, wenn diese Anforderungen erfüllt sind. Alte Beipackzettel müssten so schnell es geht geändert werden. Wie eine lesbare und verständliche Packungsbeilage aussehen kann, demonstrierte das WIdO an einem Beispiel. Mit Hilfe von Informationsdesignern, Textern und medizinischen Experten schrieb das Institut den Beipackzettel eines gängigen Antibiotikums um. Das Ergebnis orientiert sich an den Bedürfnissen von Verbrauchern: Der bisherige Text wurde von sechs auf zwei DIN-A4-Seiten verkürzt, die Schrift vergrößert. Grafische Elemente strukturieren die Inhalte und heben Warnhinweise hervor. So soll gewährleistet werden, dass alle Nebenwirkungen aufgeführt sind - ohne den Patienten zu überfordern. Verbraucherzentrale und AOK kündigten an, mit dem Gesundheitsministerium über die Studie und ihre Forderung zu reden. Als letzter Schritt käme auch eine Aufsichtsbes...

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