Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.

Ausflaggung nach Holland

Reeder erwarten von großer Koalition Festhalten an niedriger Tonnagesteuer

  • Von Hermannus Pfeiffer, Hamburg
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Bei den Koalitionsverhandlungen soll es den unzähligen Subventionen im Steuerrecht an den Kragen gehen - etwa der niedrigen Tonnagesteuer. Sie hat zwar für globale Überkapazitäten gesorgt, doch die Reeder kämpfen für ihre Privilegien.

Welthandel ist Schifffahrt, und Schifffahrt ist vor allem Containerverkehr. Mehr als zwei Drittel aller Waren, die Kapitäne über die Weltmeere befördern, stecken in den genormten Stahlboxen. Reeder und Zulieferindustrie, Logistikkonzerne und Häfen, Schiffsbanken und Fondsgesellschaften genossen jahrelang zweistellige Zuwächse. Obwohl die Charterraten, also die Mieten für Schiffsraum, ihren Zenit überschritten haben, liegen sie immer noch 20 Prozent über dem langfristigen Durchschnitt. Dem Erfolgsrauch könnte bald der Kater folgen. Schifffahrtsexperte Burkhard Lemper sieht für 2006 »negative Tendenzen« voraus. Der Volkswirt am Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen erwartet »eine weitere Abschwächung des Wachstums in der Containerschifffahrt«. Schuld daran ist nicht allein das deutlich langsamere Tempo im Welthandel. Noch nachhaltiger dürfte ein anderer Trend die Schifffahrt bremsen. Bei einer Containerisierung von 75 Prozent sei technisch Schluss, befürchtet ISL-Forscher Lemper. Das Auslaufen der bisherigen Container-Megawelle werde die Gewinne in der Logistikbranche drücken. Inzwischen taucht am Horizont ein weiteres Problem auf. Für die kommenden drei Jahre haben Reedereien bei Werften in Korea, China, Deutschland und Norwegen so viele Container-Riesen neu bestellt, dass der vorhandene Schiffsraum dadurch um etwa 60 Prozent wachsen wird. Reeder und Investoren blicken besorgt in die sich verfinsternde Zukunft. Es drohen Überkapazitäten. »Die Luft für spekulative Bestellungen von Schiffsneubauten ist nun raus«, meint Hermann Ebel, Chef des führenden Schiffsfinanziers Hansa Treuhand. Die treibende Kraft hinter dem Neubauboom waren vor allem deutsche Geldgeber, die summa summarum die Hälfte aller neuen Meeresgiganten finanzieren. Geschlossene Fonds sammelten schätzungsweise 15 Milliarden Euro bei privaten Anlegern ein und investierten sie in die bis zu 350 Meter langen schwimmenden Riesen, in denen bis zu 9500 Container Platz finden. Weltweit die Nummer eins sind auch hiesige Schiffsbanken - allein die HSH Nordbank hat Kredite über 18,8 Milliarden Euro zum Bau von Schiffen laufen. Hoch erfreut zeigt sich indes der Reederverband VDR und spricht von einer »Entwicklung, die seinesgleichen sucht«. Hauptgeschäftsführer Hans-Hinrich Nöll: »Die deutsche Schifffahrt hat sich erheblich besser entwickelt als die internationale.« Dazu beigetragen hat auch der deutsche Steuerzahler - Gewinne aus der Schifffahrt bleiben nahezu unversteuert. Der Fiskus erhebt nur eine minimale Tonnagesteuer, die sich an der Größe des Schiffes orientiert. Im Gegenzug zu dieser Steuersubvention verpflichtete sich die maritime Industrie, 100 Schiffe wieder nach Deutschland »zurückzuflaggen«, was bundesweit Jobs, Ausbildungsplätze und mittelbar auch Steuern sichern sollte. Mittlerweile fahren 115 Schiffe wieder unter deutscher Flagge, und es sollen noch mehr werden, versprechen die Reeder. Daher reagiert der Lobbyverband »mit Gelassenheit« auf Forderungen aus Berlin, im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zu beschließen, dass die Tonnagesteuer als Subvention abgeschafft wird. Zudem hat man ein Druckmittel in der Hand: Eine niedrige Tonnagesteuer werde auch in elf anderen EU-Ländern praktiziert. »Notfalls können wir mit den Füßen abstimmen«, warnt R...

Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.