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»Schwarzes Kuwait« vor Westafrika

Ölfunde um Sao Tomé und Principe - USA sichern sich Vorrechte durch Marine-Stützpunkt

Ein USA-Flottenstützpunkt im westafrikanischen Kleinstaat Sao Tomé und Principe steht kurz vor seiner Fertigstellung. Warum engagieren sich die USA in einem der ärmsten Staaten der Welt?
Sao Tomé und Principe - der aus zwei Inseln bestehende Kleinstaat im Golf von Guinea - gehört zu den ärmsten Ländern des Erdballs. Dennoch ist er in das Visier Washingtons geraten. Schon im Frühjahr 2003 hatte USA-Präsident George W. Bush seinen Amtskollegen Fradique de Menezes zu einem Essen ins Weiße Haus eingeladen. Wochen danach - die Weltöffentlichkeit konzentrierte sich unterdessen auf den Krieg in Irak - begannen USA-Spezialtruppen, auf dem 1001 Quadratkilometer messenden Inselterritorium eine Marine-Basis zu bauen, die nach jüngsten Angaben des Kairoer Wirtschaftsblattes »Al-Ahram al-Ektessadi« sogar der größte USA-Flottenstützpunkt in Afrika werden und kurz vor der Fertigstellung stehen soll. Wie verlautete, wolle man Afrikas zweitkleinstes Land mit seinen 140 Soldaten vor dem Zugriff begehrlicher Nachbarn schützen. Warum engagieren sich die USA dort aber wirklich? Im Schelfgebiet um Sao Tomé und Principe lagert sehr viel Erdöl - Experten schätzen, dass fast 200 Jahre gefördert werden könnte. Sie sprechen mit Blick auf den Kleinstaat von einem »Schwarzen Kuwait« im äquatorialen West-Afrika. In den USA, die neben Nigeria und Angola zuerst an die Erkundungsresultate gelangten, wurde das mit größtem Interesse aufgenommen. Zumal das Washingtoner Energieministerium schon 1998 darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die eigenen Öl- und Gasvorräte in Texas, dem Golf von Mexiko und in Alaska allmählich zur Neige gingen. Logisch, dass man da vorsorgen muss. Laut OPEC-Statistiken beziehen die USA aus dem ölreichsten Staat der Welt, Saudi-Arabien, gut 16 Prozent ihrer Importe. Den Vorräten nach rangiert Irak hinter dem Kaspischen Becken auf Platz 3. Und die Erdölbeschaffung hat bei den Gründen für den Irak-Krieg zweifellos eine erhebliche Rolle gespielt. Aber von der derzeit völlig desolaten Situation in Irak abgesehen, müssten in dessen marode bzw. zerstörte Förderanlagen zu viele Milliarden Dollar investiert werden, als dass sich Irak in nächster Zukunft als Lieferant empfehlen würde. Überdies haben die Ölquellen in der arabischen Welt generell den Nachteil, dass man von außerhalb nicht direkt an sie heran kommt. Mehr oder weniger lange Pipelines sind nötig, so dass der Öltransport sensibler für Störungen und Terrorakte wird. Diese Faktoren ebenso wie die Erkenntnisse aus dem Schelf von Sao Tomé und Principe mögen Ursachen dafür sein, dass einem Energie-Papier von Vizepräsident Dick Cheney zufolge die USA beabsichtigen, nach dem Jahr 2020 etwa 25 bis 30 Prozent ihres Ölbedarfs aus dem Golf von Guinea und überhaupt aus Westafrika abzudecken. Die Westküste des Schwarzen Kontinents bietet nämlich zwei unschätzbare Vorteile: Erstens liegt sie gleich auf der anderen Seite des Atlantik und ist für Supertanker unmittelbar zugänglich. Das meiste Öl wird ohnehin aus dem Meer in sicherem Abstand zum Festland geholt. Zweitens sind die westafrikanischen Ölstaaten mit Ausnahme Nigerias nicht im OPEC-Kartell, das die Preisabsprachen für den Ölmarkt trifft. Beherrschen also die USA die Förderung in westafrikanischen Nicht-OPEC-Staaten, können sie - unter Berücksichtigung einschlägiger Verträge - die Preise weit gehend zu ihren Gunsten festlegen. Und die 140 000 Einwohner von Sao Tomé und Principe? Ihre Vorfahren in der portugiesischen Kolonie, wegen der Kakaomonokultur auch Schokoladen-Inseln genannt, waren bitterarm. Vielleicht wird künftig von Öl-Inseln die Rede sein. Noch aber haben sie die weltweit höchste Pro-Kopf-Verschuldung. Ende 2005 geht für fast 90 Prozent der Bevölkerung abends das Licht aus, wenn die Sonne im Ozean versinkt.

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