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»Unter Umständen« kommt ja Hilfe

Zu den Existenzsorgen des Hackeschen Hoftheaters hat sich offiziell kaum etwas bewegt

  • Von Almut Schröter
  • Lesedauer: 3 Min.
»Wie soll es weitergehen mit dem Hackeschen Hoftheater?« richtete gestern Gabriele Hiller von der Fraktion Linkspartei.PDS bei der aktuellen Stunde des Kulturausschusses ihre Frage an die Senatskulturverwaltung. ND berichtete, dass die Bühne zum Jahresende in den Hackeschen Höfen schließen muss, weil sich die Miete um 20 Prozent erhöht. Im Frühjahr 2005 hatte es laut Vermieter das Angebot einer leichteren Mieterhöhung gegeben. Dazu habe sich Theaterchef Burkhart Seidemann nicht schnell genug entscheiden können. Dann war der Zug abgefahren. Der Hausbesitzer hat anderes mit den Räumen vor. Schluss hier mit dem mimisch-gestischen Theater und der jiddischen Musik an historischem Ort, an dem in den 14 Jahren einige Stücke gezeigt wurden, die aus dem Polizeiarchiv geholt und übersetzt worden sind. Volker Heller, Abteilungsleiter Kultur, beantwortete die Frage der Abgeordneten im Kulturausschuss in seltsam blutleerer Verwaltungsart. Man kenne das Hackesche Hoftheater zwar, aber nicht so genau, denn es sei kaum als Antragsteller aufgefallen. Es beantragte keine Spielstättenförderung, um Basisförderung habe es den Senat bisher nicht ersucht. Und nun erfuhr man auch erst sehr spät von den aktuellen Existenzsorgen. Theatermann Burkhart Seidemann allerdings hatte gegenüber ND versichert, dass er schon vor längerer Zeit die Kulturverwaltung schriftlich über die Situation des Theaters informiert habe. Allein eine telefonische Nachfrage gab es bis jetzt von der Behörde. Der Kultursenator Thomas Flierl (LInkspartei.PDS) wolle nun an den Vermieter einen Brief schreiben, sagte Heller gestern auch. So verspricht man seit Wochen Hilfe für das vom Kultursenat aus in zehn Minuten Fußweg erreichbare Theater. Intendant Burkhart Seidemann hatte vergeblich allein versucht, Partner zur Erwirtschaftung der höheren Miete aufzutreiben. Zum Beispiel Deutschlandradio Kultur, das seit fast zehn Jahren zwei Mal im Monat im Hoftheater Hörtheater veranstaltet. Auch Gespräche, einen Jazzclub als zusätzliches Angebot in die »Nachtschiene« zu legen, scheiterten. Immerhin sagte Volker Heller vor dem Kulturausschuss gestern zu, dass die Kulturverwaltung das Theater beim Ausbau einer neuen Spielstätte in den Neuköllner Passagen an der Karl-Marx-Straße »unter Umständen« unterstützen könnte. Natürlich erwartet man in der Verwaltung dazu einen Antrag von Theaterchef Seidemann. Und zu dem sollte er sich auch entschließen, wenn es denn doch so kommen sollte, wie es sich ankündigt. Ohne Papier geht gar nichts. »Unter Umständen« dürfte es nämlich kein Handstreich sein, das mit freundlicher Geste für zehn Jahre Mietfreiheit privat angebotene neue Domizil in ein Theater umzuwandeln. Es handelt sich um eine lange geschlossene Kegelbahn. Indes klingelt sich im Hackeschen Hoftheater das Telefon heiß, schilderte Burkhart Seidemann gestern. Sie wollten »ihr« Theater nicht missen, sagen die teils fassungslosen Anrufer. Gerade hier und heute nicht. Ob man denn schon alles versucht hätte. Beispielsweise komme doch in solchen Notfällen Hilfe vom Senat. Oder vielleicht über die Jüdische Gemeinde. Schön wäre es ja, wenn alle, die sich sorgen, das Theater besuchen. »Methusalem« wird ab 15. November als Neuestes gezeigt. Und »Skrutsch«, dem unterkühlten alten Geizkragen aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte, wird ordentlich eingeheizt.

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