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Moabit liegt nicht in Paris

Nach Brandanschlägen warnen Politiker vor Panikmache

  • Von Bernd Kammer
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Ein Brandanschlag auf fünf Autos am frühen Montagmorgen in Moabit hat Berlin aufgeschreckt. Mancher mag sofort an die Straßenschlachten zwischen Jugendlichen in den Pariser Vororten gedacht haben. Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening warnte jedoch davor, Pariser Verhältnisse herbeizureden. Als erstes Fahrzeug ging um 0.45 Uhr ein VW Polo in der Quitzowstraße in Flammen auf, knapp drei Stunden später wurde als letztes ein brennender Peugeot am Wikingerufer gemeldet. Auch bei den anderen drei Autos handelt es sich nicht um Nobelkarossen. Verletzt wurde bei den Attacken niemand, meldete die Polizei, zwei Wagen seien aber völlig zerstört. Nach ihren bisherigen Erkenntnissen ist ein Zusammenhang mit den Anschlägen in Frankreich eher unwahrscheinlich, weil der oder die Täter nicht am Tatort geblieben seien und sich präsentiert hätten. Auch habe es kein Bekennerschreiben gegeben. Nicht ausschließen will die Polizei aber, dass es sich um Nachahmungstaten handelt. Sie werde deshalb ihre Präsenz verstärken, kündigte ein Sprecher an. »Die zusätzlichen Streifen sind eine Vorbeugungsmaßnahme.« Die Ermittlungen hat der Polizeiliche Staatsschutz übernommen. Moabit gehört zu den ärmsten Stadtteilen der Hauptstadt. Von Brandanschlägen auf Autos, wie sie vor allem um den 1. Mai herum immer wieder verübt wurden, blieb er bisher verschont. Der Migrantenanteil liegt bei etwa 40 Prozent und damit weit entfernt von den 100 Prozent in Pariser Vororten. Auch Mittes Bürgermeister Joachim Zeller (CDU) dachte an Paris, als er von den Anschlägen erfuhr. »Ich dachte, hoffentlich kommt keiner auf die Idee, uns mit Paris zu vergleichen und vorschnelle Urteile zu fällen, wo differenziertes Herangehen gefragt ist.« Durch die »offensichtlich von Nachahmungstätern« verursachten Brände sieht er die kommunalpolitische Integrationsarbeit in Gefahr. Zeller verwies auf die fünf Gebiete mit Quartiersmanagement in Mitte - eines davon ist Moabit West -, die unverzichtbar seien für die soziale Stadtentwicklung, weil sie die Einbeziehung der Einwanderer fördern. Auch der Integrationsbeauftragte Günter Piening schließt nicht aus, dass einzelne Gruppen zu Nachahmungstaten ermuntert werden. »Es ist aber auszuschließen, dass aus einem solchen Funken ein Flächenbrand wie in Frankreich wird«, erklärte er und begründete dies mit der Grunderfahrung Berliner Jugendlicher, die nicht durchgängig von Ausgrenzung geprägt sei. Zudem gebe es hier keine sich selbst überlassenen Vororte am Rande der Stadt. Berlin habe frühzeitig begonnen, in den von den strukturellen Umbrüchen besonders betroffenen Stadtteilen durch Quartiersmanagement ein neues Wir-Gefühl zu schaffen. Nach Ansicht der Berliner Grünen sind die Ausschreitungen in Paris ein deutliches Alarmzeichen für die europäischen Großstädte, endlich ernst zu machen mit Integrationsleistungen. Der Senat sei von einer erfolgreichen Integrationspolitik weit entfernt, kritisierten sie mit Blick auf die Chancen v...

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