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»CDU-Senate haben zehn Jahre geschlampt«

Hamburgs Ex-Bausenator zur Wohnungspolitik

Der Hamburger SPD-Senat will den Wohnungsbau in der Stadt forcieren. Die Situation ist schwierig, sagt der frühere Hamburger Bausenator Eugen Wagner (SPD). Über Wohnungspolitik und Stadtentwicklung in Hamburg sprach mit ihm Volker Stahl.

nd: Beton-Eugen - wer hat Ihnen eigentlich den Spitznamen verpasst?
Wagner: Die Grüne Krista Sager. Sie war nicht besonders freundlich zu mir und verpasste mir den Namen, weil ich konsequent in der Durchsetzung meiner Politik war und mit den Ideen der Grünen während meiner Zeit als Bausenator nicht so viel anfangen konnte. Das hat sich später aber geändert.

Haben Sie sich über den flotten Sager-Spruch geärgert?
Nee, der Spitzname Schmidt Schnauze ist doch viel schlimmer.

Die Verbindung von Beton mit Ihrem Namen ist ja nicht falsch. In Ihrer Amtszeit als Bausenator wurden zum Beispiel 9750 Wohnungen im Jahr 1995 gebaut. Von solchen Zahlen träumt Ihre Nachfolgerin Jutta Blankau heute.
Man darf unsere Amtszeiten nicht miteinander vergleichen. Wir haben heute eine ganz andere Zeit als früher. Frau Blankau hat bei ihrem Amtsantritt sehr wenig zur Bebauung bereite Flächen vorgefunden. Da haben die CDU-Senate zehn Jahre sehr geschlampt, obwohl sie wussten, dass der Wohnungsbedarf auf Hamburg zukommt. Bebauungspläne müssen über Jahre vorbereitet werden und können nicht mal so eben aus dem Boden gestampft werden. Deshalb ist es für den jetzigen Senat ganz schwierig, Wohnungsbau zügig zu realisieren. Als in Hamburg nach der Wiedervereinigung Wohnungsknappheit herrschte, war ich immerhin schon acht Jahre im Amt und konnte gute Voraussetzungen schaffen.

Wie kann Jutta Blankau schaffen, mehr als die anvisierten 6000 Wohnungen jährlich zu bauen?
Sie ist eine sehr tüchtige und gut vernetzte Senatorin, hat aber mit Problemen zu kämpfen, die wir so nicht kannten. Die Bereitschaft, Wohnungsbau in der Nachbarschaft zu akzeptieren, ist heute nicht mehr so vorhanden. Das war zu meiner Zeit anders. Heute wird Egoismus groß geschrieben. Ich glaube aber, dass sie trotz der vorhandenen Hindernisse das gesteckte Ziel erreichen wird.

Ist das Bündnis für Wohnen der richtige Ansatz, den Wohnungsbau neu zu beleben?
Ja, natürlich. Schon während meiner Amtszeit haben viele erfolgreich an einem Strang gezogen: der Senat, die Wohnungswirtschaft unter Federführung des Verbands der Norddeutschen Wohnungsunternehmen, Wohnungsbaugenossenschaften und der Mieterverein. Alle haben sich klug und konstruktiv verhalten. Ich als Senator konnte diese Kräfte bündeln und auf das Ziel lenken.

Was halten Sie vom Wohnen in der City, die jetzt öde und leer ist?
Mal gilt es als schick, in der City zu wohnen, mal nicht. Das ist Moden unterworfen. Wer dort wohnen mag, bitte. Aber fördern würde ich das innerstädtische Wohnen heute nicht mehr.

Wie gefällt Ihnen eigentlich die HafenCity?
Damals habe ich die HafenCity mitbefördert. Sie gefällt mir heute nicht besonders, vor allem wegen der vielen Glasbauten. Ich hätte es besser gefunden, wenn sich der Baustil enger an dem der traditionellen Speicherstadt orientiert hätte, also mit mehr Backstein. Für einen großen Wurf halte ich den neuen Stadtteil so nicht, auch weil Wohnen dort wohl für Mieter kaum bezahlbar sein wird. Bisher war das Handeln zu kommerziell ausgerichtet und auf den Bau von Büros fixiert. Übrigens: Den Bau der Elbphilharmonie hätte ich nie unterstützt. Ein solches, von der CDU offensichtlich aus Prestigegründen geplantes Großprojekt birgt immer die Gefahr in sich, dass es aus dem Ruder läuft, wenn man nicht sehr aufpasst.

Der Bund hat Mitte November 11 300 Wohnungen des staatlichen Immobilienunternehmens TLG für 471 Millionen Euro an den Hamburger TAG-Konzern verkauft. Ihre Meinung dazu?
Ich habe grundsätzlich etwas gegen Privatisierungen, weil sie sich immer zum Nachteil der Mieter auswirken. Die Investoren wollen Rendite machen. Deren Profitgier ist ja erschreckend. Wenn ich den Wirtschaftsteil einer Zeitung lese, geht mir manchmal der Hut hoch. Von Haus aus habe ich immer die Position vertreten, dass wir preiswerten Wohnungsbau haben müssen. Deshalb ist der Bau von Sozialwohnungen unabdingbar. Es ist unverständlich, warum Herr Schäuble als zuständiger Minister das gemacht hat. Er hat sich wohl auch vom Bazillus des Neoliberalismus anstecken lassen.

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