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Gedenkort für die Ausgegrenzten

Neue Informationsstelen an der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg enthüllt

Zwei Gedenktafeln am Ende der Friedrich-Jacobs-Promenade erinnern seit wenigen Tagen an die Vergangenheit der roten Backsteingebäude im Lichtenberger Wohngebiet Rummelsburger Bucht. Auf dem großen Areal an der Hauptstraße befanden sich von 1879 bis 1990 verschiedene Anstalten, die vor allem der Reglementierung, Unterdrückung und Strafe dienten.

Bei der Einweihung der Stelen betonte Bürgermeister Andreas Geisel (SPD), dass damit ein Zeichen gesetzt werden soll. Es werden noch viele Diskussionsrunden stattfinden, um schließlich einen würdigen Gedenkort zu schaffen. Der soll allen Opfern gerecht werden, die unter ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen in Rummelsburg weggeschlossen waren. Dazu hat bereits seit längerem ein runder Tisch »Gedenken an der Rummelsburger Bucht« seine Arbeit aufgenommen. Die beiden Stelen sind das erste Ergebnis des Gremiums.

Nunmehr seit 22 Jahren haben die roten Backsteingebäude aus der Gründerzeit ihren Schrecken als Haftanstalt verloren: Inzwischen sind in den Gebäuden Wohnungen mit Gärten entstanden. »An diesem Ort haben von 1879 bis 1989 Menschen gelitten, waren weggesperrt worden«, erklärte Andreas Geisel. Wobei der Gebäudekomplex in den ersten fünf Jahrzehnten als sogenanntes städtisches Arbeitshaus verwendet wurde. Die Einrichtung war eher Gefängnis als Armenhaus. In jenen Häusern wurden Bettler, Wohnungslose, sogenannte Arbeitsscheue, Prostituierte, Zuhälter und kleine Straftäter untergebracht. Damals sollten sie durch »Arbeit und strenge Zucht« gebessert werden, wie es hieß.

Die Historikerin Christine Steer verwies bei der Enthüllung der Gedenktafeln darauf, dass die Berliner vor 130 Jahren froh darüber waren, dass das »Arbeitshaus« vom Alexanderplatz an den Rand der Stadt verlegt wurde. »So mussten sie das Elend nicht mehr täglich vor der eigenen Haustür ertragen«, sagte Steer. In der Zeit des Faschismus wurde das Gebiet zum zentralen Ort der Verfolgung von sogenannten Asozialen aus Berlin und Brandenburg. Dazu gehörten auch Homosexuelle, Sinti und Roma sowie Juden. Viele von ihnen kamen danach in ein KZ und wurden ermordet.

Ein dritter historischer Abschnitt, der auf den Gedenktafeln wiedergeben wird, ist die Zeit der DDR: Von 1951 bis 1989 war auf dem Gelände die Strafvollzugs- und Untersuchungshaftanstalt angesiedelt. In Rummelsburg saßen Mörder, Kinderschänder, Diebe aber auch politische Gefangene, die es offiziell gar nicht gab. Sie galten als »Kriminelle« und wurden auch so behandelt.

Dirk Stegemann von der Arbeitsgruppe »Marginalisierte - gestern und heute« erinnerte daran, dass dort immer Menschen eingesperrt wurden, die als nicht angepasst galten. Darunter waren Fürsorgeempfänger, Arbeitslose, Menschen anderer Hautfarbe oder Religion. Stegemann will vor allem an das Schicksal der sogenannten Asozialen erinnern.

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