Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Verschlissene Konzertanzüge

Dresdens berühmter Kreuzchor braucht 100 000 Euro - die Stadt will das Geld nicht geben

  • Von Simona Block, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.
Der Kreuzchor zählt zu Dresdens Aushängeschildern. Die Stadt will 2013 aber nicht mehr für Mehrkosten des Ensembles aufkommen und die Eltern der Knaben zur Kasse bitten. Dagegen hat sich Widerstand formiert.

Dresden. Der Dresdner Kreuzchor und die Eltern der Sängerknaben gehen auf die Barrikaden. Laut Haushaltsentwurf der Stadt als Träger der Kultureinrichtung soll das Ensemble Sachkosten 2013/2014 selbst erwirtschaften. Die Chorleitung sieht aber weder bei Konzerten und Tonaufnahmen noch bei Elternbeiträgen Spielräume für Einsparungen oder Finanzpotenzial. Sie fürchtet um die Nachwuchssuche und das hohe Niveau des berühmten Knabenchors. Auch die Eltern der Kruzianer - wie die Sängerknaben heißen - warnen davor, den Bogen zu überspannen.

»Es geht um 100 000 Euro für Instrumentalunterricht, Ersatz für verschlissene Konzertanzüge und gesunde Ernährung«, sagt Chormanager Uwe Grüner. Nach Vorstellungen der Stadt sollten diese je zur Hälfte über Elternbeiträge und ein Schulgeld finanziert werden. Für Kantor Roderich Kreile ist das utopisch. »Die Jungen arbeiten schon jetzt an der Belastungsgrenze, und der Klassikmarkt ist gesättigt«, schreibt er in einem Offenen Brief. Mehr als 100 Auftritte und Gottesdienste im Jahr - ohne Vergütung für die Jungen - ließen maximal ein freies Wochenende für die Familie.

Eine Steigerung der Elternbeiträge um 57 Prozent von derzeit 120 Euro auf 188 Euro im Monat plus 30 Euro für Instrumentalunterricht lehnen auch die Elternvertreter entschieden ab. »Wir ziehen mit dem Chor an einem Strang«, betonte Mathias Kälble. Es sei indiskutabel, weil den meisten Eltern nicht zuzumuten. »Es gibt viele, die sagen, dass das, was sie leisten für den Chor, schon an ihre Grenzen geht.« Bei einer Anhebung der Beiträge müssten sie ihre Kinder abmelden, die auf Qualität gerichtete Nachwuchssuche sei gefährdet. »Das würde dann eine Frage des Geldbeutels.«

Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) verteidigte die Pläne im Haushalt. »Wir haben eine klare Prioritätensetzung bei Kitas, Schulen und Kulturinvestitionen, von denen der Kreuzchor erheblich profitiert«, sagte er unter Verweis auf Sanierung und Neubau des Internats der Kruzianer. Die Elternbeiträge seien seit Jahren konstant, mit einer Anpassung seien teuer gewordene Leistungen und Wünsche nach besserem Essen und neuen Anzügen finanzierbar. Lunau sieht noch Spielräume. Die Kultur-Großprojekte wie Kulturpalast-Umbau und Heizkraftwerk-Ausbau stünden aber nicht zur Disposition.

Schon in der Vergangenheit war der städtische Rotstift auch beim Knabenchor angesetzt worden. Kantor Kreile hatte seine Chorknaben auch schon mal in Zivilkleidung auftreten lassen, weil Geld für die Anzüge fehlte.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln