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Blaue Blume

Studie über Novalis

Von Novalis geht eine Faszination aus: für junge Menschen, die auf der Suche nach sich selbst sind, ebenso wie für gestandene Philologen. Es war dieser frühromantischer Dichter, der mit der blauen Blume das Symbol ewiger Sehnsucht ersann.

Gerhard Schulz, emeritierter Professor für Germanistik in Melbourne und Kenner der deutschen Romantik-Literatur, hat ein Buch über Novalis vorgelegt. Sein Anliegen ist, Friedrich von Hardenberg, der nur seine Dichtungen mit Novalis unterzeichnete, vom Nimbus des weltenthobenen Jünglings zu befreien. Insofern ist es konsequent, den Band mit Ausführungen über jenes Ölbild zu beginnen, das wohl den 16- oder 17-jährigen Friedrich von Hardenberg zeigt.

Von diesem Gemälde hat die - ob seines frühen Todes mit 29 Jahren bis heute ergriffene - Nachwelt geschlossen, dass Novalis Zeit seines kurzen Lebens ein, wie es sein Leser Friedrich Nietzsche formuliert haben würde, »nur zum Vorübergehen bestimmtes Wesen« gewesen sei. Doch diese Sicht deckt sich nicht mit der Profession, die Friedrich von Hardenberg ausübte. Salinenassessor, der er nach seinem Jura-Studium in Jena, Leipzig und Wittenberg sowie Bergbau-Studien in Freiberg war, dürfte er alles andere als von zerbrechlicher Gestalt gewesen sein. Es war zuletzt die Tuberkulose, die ihn auszehrte.

Auch wenn seine Gedichte oft religiös motiviert und/oder der Liebe gewidmet sind, darf man daraus nicht den Schluss ziehen, Novalis sei ein Schwärmer und Gottsucher gewesen. In seinem erstaunlich umfangreichen Werk finden sich neben den gedankenschweren Lyriksammlungen »Hymnen an die Nacht« und »Geistliche Lieder« auch zahlreiche leicht-beschwingte Texte.

Gerhard Schulz legt einen weiteren Akzent auf den politischen Theoretiker, der Novalis auch war. Das bezeugt nicht nur dessen bis heute viel diskutierter Aufsatz »Die Christenheit oder Europa«, sondern ebenso das fragmentarische und erst in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts erstmals als selbstständige deutsche Ausgabe edierte Textkonvolut »Das Allgemeine Brouillon«. Für Schulz ist es nichts Geringeres als eine »Gedanken- und Beobachtungssammlung«, die, wenn sie vollendet worden wäre, »wohl zu einem der bedeutendsten Werke europäischer Philosophie hätte werden können«.

Wegen seines frühen Todes blieb das Gros von Novalis' Werken Fragment. Den zweiten Teil des Romans »Heinrich von Ofterdingen« konnte er gar nicht mehr beginnen. Im ersten Teil hat er uns aber verraten, wohin all unsere Sehnsucht strebt. Auf Ofterdingens Frage »Wo gehn wir denn hin?«, antwortet das Mädchen Cyane wissend: »Immer nach Hause.«

Gerhard Schulz: Novalis - Leben und Werk Friedrich von Hardenbergs. C.H. Beck. 303 S., geb., 24,95 €.

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