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Rolf Funda / Der Tierarzt ist Chef des Vereins »Erinnerungsbibliothek DDR«

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nd: Fast auf den Tag vor einem Jahr haben wir Sie in einer nd-Veröffentlichung mit dem Anliegen vorgestellt, eine DDR-Erinnerungsbibliothek zu »basteln«. Wie viele Autobiografien sind inzwischen bei Ihnen in Staßfurt eingegangen?
Funda: Nach dem Beitrag im »nd« gab es einen regelrechten Run auf unser Telefon und unsere E-Mail-Adresse. Es haben sich sehr viele Menschen gemeldet, die Sympathisanten der Idee sind oder wie ich über ihr Leben geschrieben haben. Wir haben jetzt über 300 Bücher, eins schöner als das andere.

Was ist das Ziel einer solchen Erinnerungsbibliothek?
Wir schreiben mit unseren Biografien gegen den Zeitgeist an, der die DDR auf Mauer, Stasi, Unrecht reduziert. Wir berichten, wie wir gelebt haben, dass der Alltag vielgestaltig war, Höhen und Tiefen hatte, ganz einfachen Menschen die Chance gab, sich weiterzuentwickeln. Wir schreiben auch darüber, in einem Land gelebt zu haben, das sich dem Frieden verpflichtet fühlte. Entstanden ist eine Vielzahl von Lebensberichten von Menschen aller Professionen, die in ihrer Authentizität einmalig ist.

Inzwischen ist ein Verein gegründet worden, nur eine Heimat hat diese Bibliothek noch nicht gefunden. Wie ist der Stand?
Unser Verein hat sich gegründet, weil das Projekt für einen Einzelnen gar nicht zu bewerkstelligen ist. Inzwischen sind wir um die 70 Mitglieder und haben Hunderte Sympathisanten. Wir sind auf dem besten Weg, eine Heimat für die Bücher zu finden. Wichtigstes Kriterium: Es muss sicher gewährleistet sein, dass dieser ständig größer werdende Buchbestand auch noch nach Generationen verfügbar ist. Damit sich in einer Zeit weit nach uns Menschen dafür interessieren können, wie das in diesem kleinen Zeitabschnitt der Geschichte in Deutschland, in dieser kleinen DDR, wirklich war.

Es gab Pläne, die Peter-Sodann-Bibliothek zu nutzen.
Wir haben gute Verbindungen nach Staucha und sind nach wie vor begeistert von dem, was Peter Sodann macht. Aber uns geht es um die langfristige Aufbewahrung einer ganz spezifischen Zeitzeugenschaft. Ganz abgesehen davon, dass Sodann einen anderen Anspruch hat und Bücher sammelt, die in der DDR produziert wurden, während unsere Autobiografien nach der deutschen Einheit entstanden sind. Bücher, die wir in doppelter Ausführung haben, geben wir freilich nach Staucha.

Wie erreicht man den Verein, wenn man das Anliegen unterstützen oder ein eigenes Werk in den Bestand einfügen will?
Wesentliche Seite des Projekts ist ja, dass die Öffentlichkeit erfahren muss, dass es solche Bücher gibt, welche das sind und wo man sie später findet. Deswegen haben wir eine Homepage eingerichtet, die unter www.erinnerungsbibliothek-ddr.de oder ddrbibliothek.de zu erreichen ist. Dort findet man den ersten Teil der Bücher, die Vereinssatzung, unsere Kontaktadressen, aktuelle Informationen.

Es war von Sympathisanten die Rede, wie artikulieren die sich?
Wir bekommen begeisterte Briefe, Eintrittserklärungen in den Verein, neue Bücher, Spenden. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung teilte mit, dass sie institutionelles Mitglied werden möchte, und hat uns mit einer Spende unterstützt. Da unsere Öffentlichkeitsarbeit natürlich Geld kostet, bitten wir auch weiterhin, uns mit Spenden zu unterstützen.

Fragen: Gabriele Oertel

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