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Rot und rüstig

LINKE kann sich auf Mitglieder verlassen, muss aber das Alter der Genossen bedenken

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Mitgliederzahl sinkt weiter. Doch es sind immer noch rund 7500 Brandenburger in der Linkspartei organisiert. Trotzdem kann Landeswahlkampfchef Matthias Loehr vor der Bundestagswahl 2013 mit nur 1200 Aktiven rechnen. Das Alter fordert seinen Tribut.

Die LINKE ist gleichwohl gut aufgestellt. Die Wahlkampfstrategie - als Partei der sozialen Gerechtigkeit vor allem Zweitstimmen holen - ist erkennbar. Die notwendigen finanziellen Mittel liegen bereit. Dass es gilt, in den kommenden zwei Jahren nicht nur bei der Bundestagswahl um Stimmen zu kämpfen, sondern außerdem noch bei Landtags-, Kommunal- und Europawahlen zu bestehen, das schreckt die Genossen in Brandenburg nicht. Gleich mehrere Wahlen in dichter Folge, das erlebten sie auch früher schon.

Die Mitgliederentwicklung bereitet allerdings Sorgen. Es muss damit gerechnet werden, dass die Zahl der Genossen im Jahr 2013 unter die Marke von 7000 rutscht. Dabei sind viele Mitglieder Senioren, zum Teil hochbetagt. »Wie nicht anders zu erwarten, geht der Anteil der aktiven Parteimitglieder überall zurück«, konstatierte die LINKE bereits im August vergangenen Jahres. In Vorbereitung auf die kommende Bundestagswahl hatte Wahlkampfleiter Loehr zuvor alle zehn märkischen Bundestagswahlkreise aufgesucht und dort mit Kreisvorsitzenden, Kreisgeschäftsführern und anderen Verantwortlichen gesprochen. Insgesamt etwa 90 Genossen nahmen an den Treffen teil.

Die Ergebnisse fasste Loehr in einem Kurzprotokoll zusammen. Das interne Papier für den Landesvorstand liegt dem »nd« vor. »Der Altersdurchschnitt ist unverändert hoch«, heißt es darin. »Der Anteil der hochbetagten Mitglieder, die mitunter in Pflegeheimen wohnen, steigt kontinuierlich.« Eine flächendeckende Plakatierung »aus eigener Kraft« werde im Bundestagswahlkampf 2013 in Brandenburg nicht mehr möglich sein. Auch das Verteilen einer Wahlzeitung könne durch die Partei nicht überall gesichert werden. So meldet das Kurzprotokoll aus dem Wahlkreis 57, zu dem die Uckermark und ein Teil des Barnim gehören, dass auf gerade einmal 150 Aktive zurückgegriffen werden könne. »Um die geringer werdenden Kräfte sinnvoll einzusetzen gibt es den Wunsch, die Plakate professionell anbringen zu lassen.« Eine flächendeckende Plakatierung sei nicht mehr möglich, heißt es an anderer Stelle.

Der dünn besiedelte Wahlkreis 56 im Nordosten des Bundeslandes kann laut Kurzprotokoll mit bloß 50 Wahlkämpfern aufwarten. Im westbrandenburgischen Wahlkreis 60 gebe es »weiße Flecken«, wo eine Plakatierung aus eigener Kraft nicht zu stemmen sei, heißt es. Zuweilen fehlt fähiges Personal, um Internetseiten kontinuierlich zu betreuen.

Andere Parteien, die in der Regel ebenfalls nicht mit jungen Mitgliedern gesegnet sind, müssen bei der Plakatierung schon lange auf Firmen zurückgreifen. Die LINKE konnte sich das Geld dafür zwei Jahrzehnte lang meistens sparen, weil sie genug rührige Freiwillige zur Verfügung hatte. Doch diese Zeiten scheinen nun erst einmal vorbei zu sein. Das deutete sich bereits vor zwei bis drei Jahren an. Aus dieser Zeit gibt es die jüngste Statistik zum Alter der Parteimitglieder. Damals, im Jahr 2010, gab es noch 8600 Genossen. 58 von ihnen waren jünger als 20 Jahre, 152 zwischen 20 und 25 sowie 146 zwischen 25 und 30. Auch zwischen 30 und 40 waren es lediglich 265. Dagegen gab es in der Altersgruppe der 65- bis 70-Jährigen 696 Genossen, bei den 70- bis 80-Jährigen 2642 und bei den noch Älteren 1911.

Dabei gilt es zu bedenken, dass es durchaus rüstige Genossen gibt, die ein Alter jenseits der 80 erreicht haben und sich trotzdem noch bei Wind und Wetter an Infostände stellen oder Plakate aufhängen. Viele andere sind dazu dann jedoch nicht mehr in der Lage. Trotzdem sind die Rentner eine große Stütze der Partei. Gerade die über 70-Jährigen zahlen allein einen großen Batzen Mitgliedsbeitrag und Spenden, während von den unter 30-Jährigen fast nichts kommt. Auch die jüngeren Senioren können bei der finanziellen Opferbereitschaft der Hochbetagten nicht mithalten. Viele von ihnen erlebten nach der Wende Jahre der Arbeitslosigkeit und des Schuftens zu Niedriglöhnen. Ihre Renten fallen entsprechend schmal aus. Da bleibt zum Spenden wenig bis nichts übrig.

Allerdings sind keineswegs nur schlechte Nachrichten vorhanden. Es gebe nach wie vor eine hohe Bereitschaft, aktiv zu werden, vermerkt das Kurzprotokoll. Davon abgesehen ist bekannt, dass die LINKE sich durchaus verjüngt. Es gibt beispielsweise eine Reihe von Kreisvorsitzenden, die Mitte 30 und jünger sind, etwa Peer Jürgens (Oder-Spree) und Sebastian Walter (Barnim). In Potsdam schart sich um den auch erst 37-jährigen Kreischef Sascha Krämer eine beachtliche Zahl junger und engagierter Genossen. In abgelegenen Regionen, wo es anders aussieht, stehen die anderen Parteien auch nicht besser da. So zitiert das Kurzprotokoll eine ironische Bemerkung des Elbe-Elster-Kreisvorsitzenden Joachim Pfützner: »Die SPD ist mindestens genauso schwach wie wir!«

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