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Tom Strohschneider 03.01.2013 / Linksbündig

Links-Grün? Eine komplizierte Beziehungskiste und eine notwendige Debatte

Stefan Liebich hat einen Vorschlag unterbreitet: die Berliner Linkspartei solle darum kämpfen, „Deutschlands erste Landesregierung ohne SPD und ohne CDU zu bilden". Das Plädoyer des Bundestagsabgeordneten, der einmal der Hauptstadt-PDS vorstand, wird inzwischen weiter diskutiert - oder eben auch nicht. Thomas Blum hat die Frage einer links-grünen Perspektive im „nd" wortgewaltig und ohne viel Federlesens abtropfen lassen. Dabei hätte das Thema durchaus mehr Beachtung und ein Nein zu Liebichs Vorstoß auch bessere Argumente verdient. Zum Beispiel was die Tragfähigkeit des dahinter stehenden Wählerpotenzials in Berlin angeht (sind es wirklich zusammen 20 Prozent und bilden diese gedachten 40 Prozent einen belastbaren Rahmen?) Man kann auch die Frage stellen, ob nun ausgerechnet die Berliner Grünen nach Künast-Debakel und innerparteilichem Streit der beste Bündnispartner wäre, mit dem ein ganz neuer strategischer Pfad angelegt werden kann. Oder ob die politische Re-Positionierung der Grünen nach ihrer Regierungszeit mit der Schröder-SPD und die Frage, welcher ihrer Flügel sich derzeit durchsetzt, für eine linke Partei ausreichend Anknüpfungspunkte bietet. Der bloße Hinweis auf das Böse jeder Regierungsbeteiligung (Postenjägerei!) und die wahrhaft nicht immer schmeichelhafte Bilanz vergangener rot-roter Koalitionen jedoch verstellt den Blick auf eine doch recht spannende - und keineswegs neue Frage: Gibt es eine Möglichkeit bei der Suche nach parlamentarischen Mehrheiten für linke Reformpolitik, die jenseits einer Kooperation mit der SPD liegt - oder zumindest ohne dass diese wie bisher die dominante Rolle des „Zentrums" im Mitte-Links-Lager ausfüllt? Wie ist es um das Verhältnis zwischen Linkspartei und Grünen bestellt? Und ist der Gedanke an ein so genanntes „Mitte-Unten-Bündnis", das vom Prekariat bis zum Kulturbürgertum, vom Kleinbetrieb bis zum Facharbeiter reicht, wirklich so schlecht? Pils versus Latte Macchiatto An anderer Stelle hatte ich schon vor zwei Jahren einmal geschrieben: „Das Verhältnis zwischen Grünen und Linken war immer schon etwas komplizierter als zwischen den anderen Parteien. Pils versus Latte Macchiatto, Gewerkschaft gegen Bioladen – damit lässt sich die gegenseitige Abneigung vielleicht nicht erklären, aber polemisch illustrieren. Natürlich gibt es noch viel mehr Trennendes, man vertritt verschiedene Kernklientel, beantwortet soziale Fragen ganz anders, geht kulturelle oder ökologische Probleme unterschiedlich an. Dann ist da noch die gemeinsame Vergangenheit als Fleisch vom Fleische der SPD; aus der eine Art Geschwisterkonkurrenz resultiert. Und das deutsch-deutsche Register nicht zu vergessen: Im Osten stehen sich die Nachfolger der SED und Bürgerrechtlern skeptisch gegenüber. Im Westen wurden erst die PDS und später die Linke zum Fluchtort enttäuschter linker Grüner, was umgekehrt oft mit dem falschem Stolz der Abwehr beantwortet wird. Kurzum: eine komplizierte Beziehungskiste."Die Frage, die Liebich nun wieder aufwirft (warum ausgerechnet zu Beginn eines Wahljahres, in dem koalitionstaktisches Überlegungen die Linkspartei nicht zwingend stärken werden?), muss vielleicht vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten Jahre neu beantwortet werden: die Grünen sind nicht mehr so stark wie noch 2010, die Partei hat eine strategische Neuorientierung mit.

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Über diesen Blog

Linksbündig

Was die Linke ist? Sie ist auf jeden Fall viel größer als die gleichnamige Partei. Das ist gut so. Man kommt als Linker ohne Parteibuch aber auch nicht an der Partei vorbei. Was die klein und die groß geschriebenen Linken trennt und was sie verbindet, wo die Grenzen emanzipatorischer Politik liegen und welche Versuche es gibt, diese zu überwinden – davon soll dieses Blog handeln.

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  • Tom Strohschneider

    Tom Strohschneider, Jahrgang 1974, ist nd-Chefredakteur. Nach einem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie kam er mehr zufällig zum Journalismus. Er arbeitete unter anderem bei der Wochenzeitung "Der Freitag" und bei der "taz". Er denkt gern über die gesellschaftliche Linke nach, bloggt unter anderem "Linksbündig" und wartet stets vergeblich auf ein Rezensionsexemplar des jeweils neuesten 3D-Druckers. Strohschneider liest gern Dath und hat aus "South Park" und "Die Simpsons" mehr gelernt als aus vielen Sachbüchern. Selbst schreibt er auch manchmal welche. Zuletzt erschienen von ihm: "Linke Mehrheit?" über Möglichkeiten und Grenzen von Rot-Rot-Grün sowie “What's left?” über Europas Linke, den Rechtsruck und einen sozialistischen Kompromiss. Beide erschienen bei VSA.

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