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Die Schere öffnet sich

Studie: Einkommen immer ungleicher verteilt

Die Entwicklung von Bruttolöhnen und Gewinn- und Vermögenseinkommen geht laut einer Studie des IAQ seit 1995 immer weiter auseinander. Der Grund: Die Hartz-Gesetze, Tarifflucht und Löhne. die dadurch unter Druck stehen.
Die Schere öffnet sich immer weiter. Der Anteil der Gewinn- und Vermögenseinkommen am Sozialprodukt stieg von 1995 bis 2011 stärker als der Anteil der Einkommen lohnabhängig Beschäftigter. Zu diesem Schluss kommen die Forscher des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen (IAQ).

Ihrer Untersuchung zugrunde liegen die Zahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, nach der sich die Verteilung des Sozialprodukts in Einkommen von Inländern aus abhängiger Arbeit sowie Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen unterteilen lässt. Erstgenannte umfassen alle Beschäftigtengruppen - von Arbeitern, Angestellten und Auszubildende über Beamte, geringfügig Beschäftigte und leitende Angestellte bis zu Vorstandsmitgliedern. Gewertet werden die Bruttoeinkommen, damit auch Jahressonderzahlungen, Zulagen oder Prämien vor Steuern.

Nach Angaben des IAQ mache sich die ungleiche Entwicklung besonders seit 2003 bemerkbar. Diese zeitliche Zuordnung weise »auf die engen Zusammenhänge zwischen der Einkommensverteilung, der Arbeitsmarktentwicklung und den Hartz-Reformen hin«: Zeitgleich mit dem steilen Anstieg der Erwerbslosigkeit wird mit der Agenda 2010 unter der rot-grünen Bundesregierung der Niedriglohnsektor extrem ausgeweitet. »Die Gewerkschaften geraten mit ihrer Tarifpolitik unter Druck«, heißt es weiter.

Der in den Jahren 2008 und 2009 folgende tiefe Einbruch der Unternehmens- und vor allem der Vermögensgewinne infolge der weltweiten Wirtschaftskrise sei 2010 »weitgehend überwunden«. Ab dem Zeitpunkt steigen die Gewinne wieder an, die Unterschiede zu den Arbeitseinkommen weiten sich weiter aus. Insgesamt sei der Anteil der Arbeitseinkommen seit 1995 im Jahresdurchschnitt um zwei Prozent gestiegen, bei den Unternehmens- und Vermögensgewinnen waren es 3,7 Prozent.

Die Forscher betonen, dass der Anteil von Arbeitseinkommen am Sozialprodukt sinke. Die Untersuchung bezieht sich lediglich auf nominale also nicht inflationsbereinigte Größen. Zieht man die reale Kaufkraft hinzu, so ergibt sich seit Jahren ein Reallohnverlust.

»Die Entwicklung hat schon früher eingesetzt«, sagt Dierk Hirschel, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik beim ver.di-Bundesvorstand, gegenüber »nd«. Sie habe Mitte der 90er Jahre mit der verschärften Tarifflucht der Arbeitgeber besonders in Ostdeutschland begonnen. »Die Tarifbindung liegt heute bei rund 60 Prozent, Tarifabschlüsse kommen nur bei drei von fünf Beschäftigten an.«

Zudem sei der Wandel von der Industrie- in die Dienstleistungsgesellschaft vom Ausbau prekärer Beschäftigung begleitet gewesen«, so Hirschel weiter. Und das sei »politisch gewollt« gewesen. Die gesamtgesellschaftliche Lohnentwicklung liege damit »nicht in der Verantwortung der Gewerkschaften«.

Diese beiden langfristigen Trends - Tarifflucht und die Prekarisierung des Arbeitsmarktes - seien durch die Hartz-Gesetze 2003 noch einmal verschärft worden, die Löhne damit weiter unter Druck geraten. In den letzten zwei Jahren wurde zwar durch bessere Tarifabschlüsse die »Ungleichheitsdynamik« etwas gebremst. Der langfristige Trend sei damit aber leider nicht aufgehoben, so Hirschel.

DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki forderte, diese »Fehlentwicklung endlich zu stoppen«. Gegenüber »nd« sagte er, die Folgen seien »verheerend«: »Die Steuerprivilegien für Vermögende haben den Trend zur wachsenden Ungleichheit verstärkt. Am Ende stehen den immer reicher gewordenen Vermögenden immer ärmer werdende Arbeitnehmerhaushalte und klamme öffentliche Kassen gegenüber.« Der DGB fordere darum ein gerechtes Steuersystem, »das die Vermögenden stärker zu Finanzierung öffentlicher Aufgaben heranzieht und den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von mindestens 8,50 Euro«.

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