Ministerin kämpft gegen Magerwahn

In Österreich soll eine Ampel auf stark manipulierte Bilder von Körpern hinweisen

Österreich will als erstes Land in Europa dem Schönheits- und Magerwahn in Werbefotos gesetzliche Grenzen setzen. Eine Ampelregelung soll zeigen, wenn Bilder stark manipuliert wurden.

Stark retuschierten Werbeplakaten und Fotostrecken sagt jetzt Österreichs sozialdemokratische Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek den Kampf an. Die Alpenrepublik soll als erstes Land in Europa ein Ampelsystem bei Bildern einführen. Dass Körper oder Gesicht verändert wurden, soll so bereits beim ersten Blick zu erkennen sein. »Das wäre ein Mittel, um dem Bearbeitungswahn Einhalt zu gebieten«, sagt Heinisch-Hosek.

Der perfekte Körper, makellose Haut und leuchtende Augen - besonders junge Frauen würden durch die verzerrte Realität in Werbeplakaten immer öfter ein falsches Körperbild entwickeln und zum Teil krank werden, so die Ministerin. »Der Vorschlag alleine ist nicht heilsbringend, es steckt natürlich mehr hinter einer Essstörung«, sagte Heinisch-Hosek. »Aber die Politik muss auf die Entwicklung reagieren.« Ein konkreter Gesetzesentwurf sei noch nicht ausgearbeitet, da die Zuständigkeit der Ressorts noch geklärt werden muss. Das Gesetz sei aber ein großes Ziel der Ministerin.

Jedes Bild soll demnach künftig abhängig vom Grad der Veränderung einen Punkt am Rand haben: grün, wenn etwa nur ein Weichzeichner verwendet wurde. Ein gelber Punkt soll zeigen, dass Falten entfernt, Gesichtspartien gestrafft oder ein Doppelkinn wegretuschiert wurde. »Wenn ganze Körperpartien entfernt oder neue Gesichtsteile in das Bild kopiert wurden, soll das ein roter Punkt sofort signalisieren«, sagte Heinisch-Hosek.

Die wahrheitsgemäße Kennzeichnung könne gesetzlich kaum kontrolliert werden. »Selbstverpflichtung wäre wohl die einfachste Variante für die Agenturen und Fotografen«, sagte Heinisch-Hosek. Offizielle Bilder der Politikerin selbst werden laut eigenen Angaben jedenfalls kaum retuschiert: »Ich stehe zu jeder Falte.«

Die Politikerin diskutierte den Vorschlag auch mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments und überlegt, damit zur Europäischen Kommission zu gehen. Der österreichische Entwurf ist in Anlehnung an ein neu eingeführtes Gesetz in Israel entstanden, das mit einer Ampelregelung arbeitet.

Auch zu dünne Models auf dem Laufsteg will die Frauenministerin nicht mehr sehen: Wie bei einem ähnlichen Gesetz in Israel kann sich Heinisch-Hosek auch für Österreich vorstellen, dass Models künftig einen Body-Mass-Index von mindestens 18,5 vorweisen müssen. Ein Model müsste so bei einer Größe von 1,70 Meter mindestens 53 Kilogramm wiegen.

dpa

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