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Niemand traut der UCI

Antidoping-Behörden bezweifeln Aufklärungswillen des Radsportweltverbands im Fall Armstrong

Der Radsport-Weltverband UCI hat bei der Aufklärung der Affäre Lance Armstrong von der Welt-Antidoping-Agentur WADA und der US-Agentur USADA eine Abfuhr erhalten. Beide Behörden übten Kritik an der angeblich »unabhängigen« Kommission der UCI, die die Rolle des Verbandes im Fall Armstrong aufarbeiten soll. Besonders Ex-Präsident Hein Verbruggen und der aktuelle UCI-Chef Pat McQuaid stehen unter Verdacht, Armstrongs Dopingmanipulationen gedeckt zu haben. Man habe »ernsthafte Bedenken« am Auftrag und der Unabhängigkeit der Kommission, sagte WADA-Chef John Fahey. Daher lehne man eine Mitarbeit ab.

Die USADA, die Armstrong mit ihren Recherchen zu Fall gebracht hatte, monierte, dass Kronzeugen weder Anonymität noch Schutz vor Vergeltung durch die UCI gewährt werde. Entsprechende Vorschläge, welche die Kommission akzeptiert hätte, seien vom Weltverband abgelehnt worden. Dies »zieht natürlich das Engagement der UCI für eine umfassende Untersuchung in Zweifel«, betonte USADA-Chef Travis Tygart. Außerdem bestünde die »Sorge, dass die UCI ihrer Kommission die Augen verbindet und Handschellen anlegt, um ein gewünschtes Untersuchungsergebnis sicherzustellen«.

Die Kommission selbst forderte am Mittwoch die UCI auf, endlich einem »Wahrheits- und Versöhnungsprozess« zuzustimmen. Nur so könnten alle Beweise auf den Tisch, was im Interesse des Radsports sei. Ursprünglich wollte die UCI bis Juni 2013 einen Bericht. Auch das hatte die WADA als »absolut nicht ausreichend« kritisiert.

Unterdessen berichtete der US-Fernsehsender CBS, dass Lance Armstrong den US-Behörden die Rückzahlung von mehr als fünf Millionen US-Dollar (3,7 Millionen Euro) angeboten habe, um noch wesentlich größeren Schadensersatzforderungen vorzubeugen. Der wegen Dopings verurteilte und offenbar geständige Ex-Radprofi soll dem Justizministerium auch seine Kooperation als Zeuge angeboten haben. Allerdings habe die Behörde laut CBS die Angebote als »unangemessen« ausgeschlagen.

Derzeit prüft sie die Beteiligung an einem Verfahren, in dem Armstrong der Missbrauch von Steuergeld für Dopingzwecke vorgeworfen wird. Die Postbehörde US Postal hatte Armstrongs Team bis 2004 mit mehr als 30 Millionen US-Dollar gesponsert und will nun einen Teil davon zurück. dpa/nd

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