Zusammenhalten gegen Multis

Auftakt der Warnstreikwelle bei Coca-Cola / Sechs Prozent mehr Lohn gefordert

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 2 Min.
Die bundesweite Lohnrunde beim Erfrischungsgetränkekonzern Coca-Cola ist vom Widerstand gegen Flexibilisierung, Umstrukturierungen und Personalabbau geprägt.

Mit mehrstündigen Arbeitsniederlegungen an insgesamt sieben Standorten im Süden und Westen der Republik hat am Montag eine gut einwöchige Warnstreikwelle bei Coca-Cola in Deutschland begonnen. Einen Schwerpunkt bildete das Werk in Liederbach bei Frankfurt am Main mit rund 450 Beschäftigten. Hier legten um fünf Uhr die Beschäftigten der Nachtschicht die Arbeit nieder und zogen mit Streikwesten und Transparenten der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor das Tor. Später schlossen sich Arbeiter der Frühschicht sowie Beschäftigte aus Logistik und Verwaltung dem Arbeitskampf an. Die Streikenden erfuhren Unterstützung durch den stellvertretenden NGG-Bundesvorsitzenden Claus-Harald Güster, den hessischen Linksfraktionschef Willi van Ooyen sowie NGG-Mitglieder aus der Restaurantkette Maredo und dem Nestlé-Mineralbrunnen Neuselters, die sich ebenfalls gegen Stellenabbau und Kündigungen wehren. »Wenn die Beschäftigten zusammenhalten, haben große multinationale Konzerne wie Nestlé oder Coca-Cola keine Chance«, bekräftigte der Neuselterser Betriebsratsvorsitzende Andreas Beer.

Wie NGG-Vizechef Güster auf Anfrage bestätigte, sollen im Vorfeld der für den 30. Januar anberaumten dritten Verhandlungsrunde über einen Haustarifvertrag bei Coca-Cola bundesweit rund 50 Betriebe bestreikt werden. Zen-trale Forderung ist eine Gehaltssteigerung um sechs Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro in allen Ausbildungsstufen. Ferner verlangt die NGG den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Die Sechs-Prozent-Forderung sei berechtigt, weil die Tarifabschlüsse im Durchschnitt der letzten Jahre stets unter dem verteilungsneutralen Spielraum gelegen hätten und die reale Kaufkraft der Arbeitnehmer von 1993 bis 2011 um 8,5 Prozent gesunken sei, argumentiert die NGG. Für den Verzicht des Managements auf betriebsbedingte Kündigungen habe die Belegschaft in den letzten sieben Jahren eine hohe Gegenleistung erbracht. Der hochprofitable Konzern habe seine Absatzmenge auch von 2010 auf 2012 um gut zehn Prozent gesteigert und könne sich die Lohnforderung leisten.

Die Entschlossenheit in der aktuellen Lohnrunde erklärt sich auch aus den Erfahrungen der Beschäftigten mit Umstrukturierungen. So wurden in den letzten Jahren bundesweit drei Produktionsstandorte geschlossen und die Abfüllkapazitäten auf andere Linien verlagert. Gleichzeitig habe sich die Durchlaufgeschwindigkeit und -menge in der Produktion und im Lager erhöht. »Dies führt zur Arbeitsverdichtung jedes einzelnen«, heißt es in einem NGG-Papier. Nachdem Gewerkschaft und Betriebsrat schon bisher zu begrenzten Zugeständnissen bei einer flexibleren Gestaltung der Arbeitszeit bereit gewesen seien, strebe die Konzernleitung nun eine »Turboflexibilisierung« an, beklagt NGG-Mann Güster. Von geplanten Umstrukturierungen und einem Stellenabbau im Verwaltungsbereich sowie einer Schließung des Standortes Ratingen wären nach NGG-Angaben direkt 450 Beschäftigte betroffen, darunter sehr viele Frauen, Alleinerziehende und Teilzeitbeschäftigte.

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