Schlechter Atem macht einsam

Fast jeder vierte Deutsche ist von Mundgeruch betroffen

Dass jemand Mundgeruch hat, fällt gewöhnlich zuerst anderen Menschen auf, nicht dem Betroffenen selbst. Dieser kann mithin nur dann etwas gegen seinen schlechten Atem tun, wenn man ihn dezent darauf hinweist.

Im Grunde kennt jeder das Problem: Nach dem reichlichen Genuss von Knoblauch, Zwiebeln oder Alkohol vermeiden es andere Menschen, uns zu nahe zu kommen. Aber während eine Knoblauch- oder Schnapsfahne nach einigen Stunden meist wieder verflogen ist, sind etwa 25 Prozent der Männer und Frauen hierzulande dauerhaft von Mundgeruch (Halitosis) betroffen. Viele wissen davon nicht einmal. Es ist praktisch unmöglich, den eigenen Atem zu riechen, da sich der menschliche Geruchssinn rasch an die Düfte des eigenen Körpers gewöhnt.

In den meisten Fällen (90 Prozent) liegt die Ursache für schlechten Atem im Mund- und Rachenbereich selbst. Das warme und feuchte Milieu dort bietet zahllosen Bakterien einen idealen Lebensraum. Besonders auf der Zunge und zwischen den Zähnen tummeln sich sogenannte anaerobe, das heißt ohne Sauerstoff lebende Fäulnisbakterien, die organische Substanzen aus Essensresten, Speichel und abgestorbenem Gewebe zersetzen. Dabei entstehen flüchtige Schwefelverbindungen, die der Atemluft einen unangenehmen, häufig an faulige Eier erinnernden Geruch verleihen.

Normalerweise sorgt die Speichelflüssigkeit dafür, dass sich nicht zu viele Fäulnisbakterien in Mund und Rachen ansiedeln. Sie werden weggeschwemmt. Viele Menschen haben deshalb vor allem nach dem Aufstehen Mundgeruch, da unser Körper während des Schlafs weniger Speichel produziert. Hier wie auch in anderen Fällen von Mundtrockenheit ist eine Mundspülung empfehlenswert. Sofern diese jedoch antibakterielle Wirkstoffe enthält, sollte man sie nur vorübergehend anwenden, um die Mundflora nicht zu zerstören.

Generell gilt: Wer viel Wasser trinkt, ist besser vor Mundgeruch geschützt. Notfalls tut es auch ein zuckerfreier Kaugummi, denn durch das Kauen wird die Speichelproduktion angeregt. Kaffee, so fanden israelische Forscher unlängst heraus, verbessert ebenfalls den Atem, sofern er ohne Milch und Zucker genossen wird.

In den meisten Fällen ist Mundgeruch die Folge mangelnder Hygiene. Regelmäßiges Zähneputzen sei deshalb für die Prophylaxe ebenso wichtig wie die Reinigung der Zahnzwischenräume und der Zunge, rät der Halitosis-Spezialist Rainer Seemann, dessen Erfahrungen überdies besagen, dass rund ein Viertel der Patienten, die glauben, Mundgeruch zu haben, in Wirklichkeit frei davon sind. Sie missdeuten lediglich die Reaktionen ihrer Umwelt als Abwehr. »Fragt man diese Patienten, ob sie denn auf ihren schlechten Atem angesprochen werden, verneinen sie«, sagt Seemann.

Doch allein die Befürchtung, aus dem Mund zu riechen, ist häufig mit einem starken Leidensdruck verbunden. Manche Menschen entwickeln eine regelrechte Halitophobie, die sie nicht selten in die soziale Isolation führt. Mundgeruch ist gewiss ein peinliches Thema. Nur: Um herauszufinden, ob der eigene Atem unangenehm riecht, gibt es oft keine andere Möglichkeit, als eine Person des Vertrauens zu bitten, dies mit eigener Nase nachzuprüfen. Auch sollte jemand, der bemerkt, dass ein ihm nahe stehender Mensch Mundgeruch hat, diesen dezent darauf aufmerksam machen. Denn im Endeffekt profitieren davon beide. Außerdem gibt es heute in Deutschland zahlreiche Ärzte, die mit Hilfe eines sogenannten Halimeters den Anteil von flüchtigen Schwefelverbindungen in der Atemluft bestimmen können. (Eine Liste solcher Praxen findet man unter www.halitose.de).

Zwar ist Mundgeruch medizinisch zumeist harmlos. Dennoch kann sich in manchen Fällen dahinter eine ernsthafte organische Erkrankung verbergen wie Diabetes, chronisches Nierenversagen oder ein Magengeschwür. Wer deshalb trotz aller Bemühungen seinen schlechten Atem über Wochen nicht los wird, wäre gut beraten, zur Sicherheit einen Arzt zu konsultieren.

www.mundgeruch-therapie- koeln.de.

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