Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Handel legt die Axt an

Ver.di kämpferisch nach Drohung der Unternehmer, alle Tarifverträge zu kündigen

Nach der Ankündigung der Arbeitgeberseite, die Entgelt- und Manteltarifverträge zu kündigen, verspricht die Gewerkschaft harte Auseinandersetzungen im deutschen Einzelhandel.

Die Unternehmerverbände im Einzelhandel haben in einer vermutlich abgesprochenen Aktion angekündigt, alle für den Einzelhandel geltenden Entgelt- und Manteltarifverträge bis zur Jahresmitte 2013 kündigen zu wollen. Nach Ansicht der zuständigen Dienstleistungsgewerkschaft ver.di könnte das »dramatische Auswirkungen« für die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel haben. »Mit diesem Vorhaben legt die Unternehmerseite die Axt an die Existenzsicherung und wesentlichen Schutzregelungen für die Beschäftigten im Einzelhandel. Das Ergebnis dieser Strategie ist die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von mehr als 2,7 Millionen abhängig Beschäftigten in einer der wichtigsten Branchen«, betonte das für den Handel zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Die Arbeitgeberseite hatte am Donnerstag ihren Schritt damit begründet, die Tarifverträge modernisieren zu wollen. Diese stammten im Kern aus den 50er Jahren, heißt es auf der Homepage des Hauptverbandes Deutscher Einzelhandel (HDE). »Die bisherige Entgeltstruktur ist in vielen Fällen unausgewogen und wird den Anforderungen an die Mitarbeiter in der modernen Arbeitswelt nicht gerecht«, sagte HDE-Tarifgeschäftsführer Heribert Jöris.

Die Beschäftigten arbeiten in rund 400 000 Betrieben in den westlichen Bundesländern 37,5 Stunden sowie 38,5 Stunden im Osten. Tarifverträge werden auf Bundesländerebene ausgehandelt, für einige große Unternehmen gelten Haustarifverträge. Die Tariflöhne liegen zwischen 7,50 Euro in Schleswig-Holstein und rund 11 Euro beispielsweise in Hamburg. Es gibt kein klares Lohngefälle zwischen West und Ost wie in vielen anderen Branchen.

Die Arbeitsbedingungen im Handel sind geprägt von Teilzeitstellen insbesondere für Frauen, von niedrigen Löhnen, langen Arbeitszeiten und einer Sechstagewoche. Veränderte Arbeitszeiten in vielen anderen Branchen haben auch zu ausgeweiteten Öffnungszeiten im Einzelhandel geführt. Doch Nacht- und Wochenendzuschläge sind für den Arbeitgeber teuer. Mit der Flexibilisierung hat es in den letzten Jahren immer wieder harte Tarifkonflikte insbesondere um Arbeitszeiten und Zuschläge gegeben.

Auch sind viele Jobs in den letzten Jahren verloren gegangen - eine Entwicklung, die nicht vorbei ist. Beispielsweise Karstadt will bis 2014 noch 2000 Stellen abbauen. Bei der Pleite des Drogerieriesen Schlecker vor einem Jahr standen auf einen Schlag rund 25 000 Beschäftigte auf der Straße. Mehr als die Hälfte von ihnen ist noch immer ohne Job.

Dass die Unternehmerverbände nun die Tarifverträge kündigen wollen, ist für ver.di eine Fortsetzung des Konfrontationskurses unter der neuen Führung des tarifpolitischen Ausschusses des HDE. Der verweigere schon lange Verhandlungen über einen Branchenmindestlohn.

Eigentlich war für das kommende Frühjahr lediglich eine Lohnrunde im Einzelhandel geplant - und die wäre vermutlich schon schwierig genug geworden. Nun muss ver.di die Tarifrunde 2013 neu planen - und gibt sich kämpferisch: Nach der Ankündigung des HDE, die Entgelt- und Manteltarifverträge zu kündigen, erwartet die Gewerkschaft eine hohe Bereitschaft der Beschäftigten, für die Absicherung ihrer Einkommen, für Arbeitszeit- und Zuschlagsregelungen und die Schutzvorschriften im Manteltarifvertrag zu kämpfen, erklärte am Freitag der ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg. Auch die Möglichkeit von Streiks deutete die Gewerkschaft an.

Kommentar Seite 4

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln