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Kurse in Rassenhass und Antisemitismus

Italienische Polizei verhaftete in Neapel zehn militante Neofaschisten / Brandstiftung und Vergewaltigung geplant

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 2 Min.
In Neapel sind zehn Mitglieder neofaschistischer Organisationen verhaftet worden. Unter ihnen eine junge Frau, die bei den kommenden Parlamentswahlen als Kandidatin für die rechtsextreme »Casa Pound« antritt.

Die verhafteten Neofaschisten werden beschuldigt, politische Gegner zusammengeschlagen und unter anderem die Vergewaltigung einer jüdischen Studentin geplant zu haben. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft begannen 2011, als Gruppen von Rechtsextremisten in Neapel immer wieder »politische Gegner« angriffen und in der Universität vier Personen mit Messerstichen und Holzknüppeln zum Teil schwer verletzten.

Aus Telefonmitschnitten der Polizei, die jetzt veröffentlicht wurden, geht hervor, dass die Gruppe plante, das Juweliergeschäft »eines Juden« in Brand zu stecken und eine jüdische Studentin zu vergewaltigen, die »von allen und sogar von den Palästinensern respektiert« wird. Bei Hausdurchsuchungen wurden zwei Pistolen, Messer und Sprengstoff sichergestellt. »Die Gruppe führte regelrechte Kurse durch, bei denen zu Rassenhass und Antisemitismus aufgerufen wurde«, erklärte der verantwortliche Staatsanwalt Rosario Catelmo. Als »Lehrmaterial« wurde vor allem Hitlers »Mein Kampf« benutzt. Gleichzeitig wurden die Mitglieder aber angehalten, in der Öffentlichkeit antisemitische und rassistische Äußerungen zu vermeiden.

Unter den Verhafteten ist Emmanuela Florino, die für die rechtsextreme Organisation Casa Pound Italia, die Verbindungen zur verbotenen europäischen Bewegung »Blood and Honour« und verschiedenen deutschen Nazigruppen hat, bei den kommenden Parlamentswahlen als Kandidatin antritt. Casa Pound hatte in den vergangenen Monaten immer wieder versucht, sich einen legalen Anstrich zu geben, und wurde dabei unter anderen vom römischen Bürgermeister Gianni Alemanno unterstützt, der selbst eine Vergangenheit als neofaschistischer Schläger hat. Gianluca Iannone, Vorsitzender von Casa Pound, wies in einer Erklärung alle Anschuldigungen zurück und erklärte, dass dies alles nur ein Vorwand sei, um seine Organisation in den Augen der Wähler anzuschwärzen. »Antisemitismus und Rassismus finden wir zum Kotzen«, erklärte Iannone, »Und wer das nicht auch so sieht, der gehört nicht zu uns.«

Eine andere Überzeugung hat Innenministerin Paola Severino: »Ich empfinde Grauen, enorme Entrüstung und Abscheu.« Sie warnte davor, Rechtsextremismus nicht ernst genug zu nehmen: »Wenn wir diese Schlacht in Neapel auch gewonnen haben, ist der Krieg so lange noch nicht vorbei, wie junge Italiener meinen, dass sie so etwas sagen können.«

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