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Entfremdet im Eis

»Inuk« von Mike Magidson

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

Wer in Harmonie mit der Natur lebt, dem wird es an nichts fehlen. So sprachen die Vorfahren - aber die kannten das Leben in der Stadt noch nicht. Als Kind sah Inuk seinen Vater im Eis versinken, das da schon nicht mehr so sicher trug wie früher. Als Teenager lebt er mit der Mutter in Nuuk, Grönlands Hauptstadt. Zuhause ist der Kühlschrank voller Bier, denn die Mutter ernährt sich längst lieber flüssig. Und wenn ihrem Freund der Alkohol ausgeht, dann wird er gewalttätig. Weshalb Inuk seine Nächte manchmal im Freien verbringt, bis er einmal zu oft nächstens aufgegriffen wird und beim Jugendamt landet.

Die Fürsorgerin, die für Inuks Mutter die Amtssprache Dänisch übersetzt, leitet im hohen Norden des Landes ein Kinderheim. Dass Inuk selbst aus dem Norden stammt, sieht sie ihm an, ohne wie die dänische Amtsleiterin in seine Papiere sehen zu müssen: Diese innere Stille, erklärt ihre Stimme aus dem Off, die haben nur die Menschen, die im ewigen Eis geboren wurden. Dass es mit der Ewigkeit des Eises auch im Norden allmählich zu Ende geht, wird noch mehrfach Thema des Films sein. Erst mal aber wird Inuk nach Uumannaq verschickt, um im Norden mit seinen Wurzeln auch seine Identität wiederzufinden. Fern von Fast Food, Inuit-Rock aus dem Kopfhörer (mit Texten wie»nix wie weg hier, ab nach London, Paris und New York«) und den arbeitslosen, versoffenen Erwachsenen, die mit der Modernisierung ihres Landes ihren Halt verloren.

Es dauert eine Weile, bis Inuk im Norden seine Sportschuhe und Windjacke ablegen mag und in die Eisbärfellhose und Robbenfelljacke schlüpft, wie sie die anderen tragen. Eine Reise mit dem Hundeschlitten in das Eis soll den Durchbruch bringen: Ein paar Kinderheimkinder dürfen mitfahren, wenn die Jäger ihre Hundeschlitten anspannen. Abends am Lagerfeuer tauscht man Jagdgeschichten aus, und auch Inuk kann sich noch an die Eisbärenjagd erinnern, auf die ihn sein Vater mitnahm. Mit Mitleid für die Beutetiere, die teils ebenso vom Aussterben bedroht sind wie die Inuit und ihre Subsistenzkultur, wird sich nicht aufgehalten. Mit Respekt solle man seine Hunde führen, heißt es stattdessen, aber ihnen doch immer zeigen, wer der Herr ist. Und mit Respekt ist auch die Waffe auf den Eisbären zu richten - aber trotzdem ohne zu zögern, wenn es gilt, ihn denn auch zu erlegen.

Von der Klimaerwärmung ist die Rede, und davon, dass das Eis schlechter wurde in den letzten Jahren und die Eisberge im Eis deutlich kleiner. Und auch vor den Schlittenhunden hat die Moderne nicht halt gemacht: sie gehen an türkisfarbenen Nylonschnüren.

Aber vorrangig feiert der Film die Weite der weißen Landschaft, die Geschwindigkeit der Schlitten und den Instinkt des Jägers für die Beute, die da draußen vielleicht doch noch zu machen ist.

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