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Informatikprüfung am Pool

Hochschule Harz geht neue Wege

  • Von Uwe Kraus, Wernigerode
  • Lesedauer: 3 Min.

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An der Hochschule Harz werden ungewöhnliche Prüfungsformen im Fach Informatik praktiziert: 24-Stunden-Prüfungscamps im Schwimmbad. Das jüngste Camp fand dieser Tage statt, weitere sind geplant.

Es war bereits das zweite Mal: 20 Studierende der Hochschule Harz zogen für 24 Stunden zur Informatikprüfung in ein sogenanntes Code-Camp, das im Wernigeröder Schwimmbad aufgeschlagen wurde. Für die Prüflinge - künftige Medien- und Wirtschaftsinformatiker - ging es darum, innerhalb von 24 Stunden ein Programm zu entwickeln. Der Prüfungsort mit seinen Möglichkeiten zum Schwimmen, Duschen und Relaxen schien für eine solche Mammutprüfung besonders geeignet.

Eigentlich hatten noch mehr Studenten Interesse daran signalisiert, doch Professor Olaf Drögehorn, Prorektor für Informations- und Kommunikationstechnologien sowie E-Learning der Hochschule Harz, legt die Latte hoch. Wer hier mitprogrammieren wollte, musste in seiner Vorlesung »Anwendungsprogrammierung« den Übungsteil mindestens zu 75 Prozent erfolgreich absolviert haben. Das Ganze sei eine vollständige Prüfungsleistung, betont Drögehorn: »Durchfallen wäre durchaus möglich.«

In Shorts und Flipflops zur Prüfung der Hochschule Harz, das klingt eher nach Freischwimmerschein. Doch der Fachbereich Medien- und Wirtschaftsinformatik will mit seinem »Code Camp« auch den Prüfungsstress durch einen gewissen Spaßfaktor zwischen Umkleide und Cafeteria, Sauna und Schwimmbecken abbauen. Da gibt es eine Ideenkonferenz im kleinen Pool und Studenten, die zur Abkühlung mal barfuß durch den Schnee vor der Schwimmhalle laufen. »Das Ziel ist, dass wir einmal komplett den Prozess der Anwendungsentwicklung durchlaufen. Damit endet das Studienmodul«, erläutert Philipp Müller, Student der Medieninformatik im dritten Semester. So ein Programm von der Aufgabenstellung bis zur Präsentation der Entwicklung »in einem Ritt« von einem Abend bis zu nächsten fertig zu stellen - im normalen Leben oft ein Prozess von mehreren Tagen - sei schon eine große Herausforderung für die Studentengruppen.

Natürlich soll das im Bad-Camp entwickelte Computerprogramm, eine Marketingsoftware, am Ende auch laufen. Die ersten rund vier Stunden nutzten die Prüflinge zur Ideenfindung, nach Mitternacht erarbeiteten sie dazu ein technisches Konzept. Um 5 Uhr begann das Programmieren.

Der 40-jährige Drögehorn, der seit März 2011 an der Hochschule lehrt und forscht, hat vor zehn Jahren schon so ein Code-Camp mit einer finnischen Partner-Universität organisiert. »Ein Saunablockhaus wie dort gibt es hier in Wernigerode nicht. Aber als ich im Vorjahr die Idee Ralf Schult, Sachgebietsleiter Badeanlagen der Stadt Wernigerode, vortrug, war der von dem gemeinsamen Projekt begeistert.« Schult sagt, man freue sich, »den innovativen Charakter der Stadt Wernigerode durch derartige Veranstaltungen in unseren Badeanlagen zu unterstreichen«.

»Das sind nicht die üblichen Lerngruppen«, erklärt Drögehorn. »Klar soll das Camp einen Spaßfaktor haben, aber auch die Erfahrung bringen, was es heißt, unter Stress komplette Programme zu bauen. Das kriegt man unter Hörsaalbedingungen nicht hin.« Die Nachfrage zeige, so der Hochschullehrer vom Fachbereich Automatisierung und Informatik, »dass die angehenden Akademiker den Praxisbezug und die enge Zusammenarbeit während dieser außergewöhnlichen Prüfungsleistung sehr zu schätzen wissen.«

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