»Wunschzwang des Dazugehörenwollens«

Jürgen Große: »Der gekränkte Mensch«, metaphysische Miniaturen

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Beim Lesen hatte ich ein Foto von Harald Hauswald aus DDR-Zeiten vor Augen. Drei Männern in der U-Bahn: Der linke blickt hochmütig in die Luft, der in der Mitte, mit Aktentasche auf dem Schoß, schaut trotzig in sich hinein, der rechts, mit Schapka, wirkt bitter, aber jederzeit bereit, das disziplinierend gegen andere zu wenden. Sinnbild für Tristesse - so hätte man es damals empfunden. So sah es auch der Fotograf.

Man blicke sich indes mal heute um in solch einem Zug. Die Mehrzahl der Leute ist besser gekleidet, viele haben »einen Knopf« im Ohr. Aber die Mienen: müde, mürrisch. »Man erlebt dies Gekränktsein, sobald man selbst vors eigene Haus tritt«, schreibt Jürgen Große. Man sieht es auf den Gesichtern und fühlt es »in sich selbst; eine Säuerlichkeit, die einem Seele und Sinne zusammenzieht, eine wohltemperierte Wut auch manchmal, den Anblick gekränkter Gesichter ertragen zu müssen«.

»Der gekränkte Mensch« ist das Werk...

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