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Unmut über Schavan wächst

Ministerin verliert Rückhalt bei Wissenschaftlern

Berlin (dpa/nd). Nach der Aberkennung ihres Doktortitels wachsen die Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Annette Schavan (CDU) als Bundesbildungsministerin. Der Rücktritt der Ministerin wäre »möglicherweise doch die richtige Konsequenz«, sagte am Donnerstag der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Prof. Bernhard Kempen.

Einzelne Professoren wie der Präsident der Humboldt-Uni Berlin, Jan-Hendrik Olbertz, übten aber auch Kritik an der Entscheidung der Uni Düsseldorf, Schavan den Doktortitel abzuerkennen. Die Ministerin ist noch bis zu diesem Freitag in Afrika. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will erst nach ihrer Rückkehr nach Deutschland mit Schavan über deren Zukunft sprechen.

Der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth sagte, Schavan befinde sich in einer »Glaubwürdigkeitsfalle«. »Sie hat nicht in dem Ausmaß wie der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg plagiiert. Der Fall holt sie jetzt aber ein«, sagte Langguth den »Ruhr Nachrichten«. »Die beschädigte Glaubwürdigkeit ist ein großes Problem, auch für die Kanzlerin.« Diese werde nun abwarten, wie sich die Debatte entwickle. »Es ist möglich, dass sie dann ihre Vertraute, Frau Schavan, bitten wird, zurückzutreten.«

In Erklärungsnot gerät auch die Freie Universität Berlin (FU), an der Schavan seit Oktober 2008 als Honorarprofessorin im Fach Katholische Theologie lehrt. Diese Ehre hatte der Akademische Senat der FU mit ihren theologischen Arbeiten begründet. Damals ordnete die Uni auch die Promotionsarbeit Schavans ein und bezeichnete diese als »Grundlage für die Leitlinien ihres theologischen Denkens«. Nun schweigt die Hochschule. »Zum Thema Honorarprofessur Schavan äußern wir uns nicht«, sagte ein Sprecher am Donnerstag.

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