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Der »Sucre« erobert Amerika

ALBA-Staaten bezahlen sich immer häufiger in Gemeinschaftswährung

Die neue Regionalwährung in Lateinamerika und der Karibik übertraf 2012 die Zielsetzung. Das Buchgeld soll die Teilnehmerstaaten weniger abhängig vom US-Dollar machen.

Weitgehend unbemerkt etabliert sich in Lateinamerika und der Karibik ein neues Buchgeld, das eine Währungsunion mehrerer beteiligter Staaten vorbereiten könnte. Der Sucre - eine Abkürzung für »Einheitliches System des regionalen Ausgleichs« - hat im vergangenen Jahr die Ziele im multilateralen Handel der beteiligten Staaten übertroffen. Nun soll das Zahlungssystem der Mitgliedstaaten des linksgerichteten ALBA-Bündnisses institutionell gefestigt werden. Hauptziel bleibt, Lateinamerika und die Karibik gegen die Auswirkungen der andauernden Weltwirtschaftskrise unanfälliger zu machen. Der politische Anspruch wird im Namen der Währung deutlich: Es ist zugleich der Name des bekannten antikolonialen Freiheitskämpfers Antonio José de Sucre (1795-1830).

Noch steht die vor drei Jahren auf Initiative von Venezuela ins Leben gerufene Geschäftsbankenwährung freilich noch am Anfang - auch wenn die Zahlen gut aussehen. Im Jahr 2011 seien gerade einmal 431 zwischenstaatliche Geschäfte mit dem Sucre abgewickelt worden, sagte Eudomar Tovar, der Vizepräsident der Venezolanischen Zentralbank und Vorsitzende des Regionalen Währungsrates, der den Sucre koordiniert. 2012 aber, so Tovar weiter, seien es bereits 2645 Geschäfte gewesen. Diese Geschäfte hätten einen Gegenwert von umgerechnet gut 1,1 Milliarden US-Dollar gehabt. Im laufenden Jahr könnte diese Bilanz auf umgerechnet 1,7 Milliarden gesteigert werden.

Ein Vorteil des Systems ist laut Tovar die Loslösung der Geschäfte zwischen den ALBA-Staaten von der internationalen US-Dollar-Wirtschaft. Wenn ein Handel in Sucre abgeschlossen werde, belaste dies zudem nicht die Devisenreserven der beteiligten Staaten. Und schließlich würde die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den Staaten der Region abgebaut, weil kleine und mittelständische Unternehmen leichter beteiligt werden könnten.

Ein Grund dafür ist der Verzicht auf Devisenreserven, mit denen meist nur Großunternehmen aufwarten können. Wenn beispielsweise ein kleines venezolanisches Unternehmen Waren im ALBA-Wirtschaftsraum kauft, zahlt es den Gegenwert in der Landeswährung Bolívar an ein autorisiertes Kreditinstitut. Derzeit sind das in Venezuela 15 öffentliche oder private Banken. Das Geldinstitut überweist die Summe dann an die Zentralbank. Diese konvertiert den Betrag bei einem festen Wechselkurs von eins zu 1,25 zum US-Dollar an die Zentralbank des Partnerstaates, wo das dortige Unternehmen in der Landeswährung ausbezahlt wird.

Derzeit nehmen an dem Währungssystem, das oft mit dem europäischen ECU verglichen wird, Venezuela, Kuba, Bolivien und Ecuador teil. Hinzukommen die karibischen Kleinstaaten Dominica, St. Vincent und die Grenadinen sowie Antigua und Barbuda. Nicaragua ist der Währungsallianz zu Jahresbeginn beigetreten und wird ab Ende dieses Monats seinen Handel mit anderen ALBA-Staaten in Sucre abwickeln. Nach Angaben von Finanzminister Iván Acosta Montealbán sind schon jetzt Geschäfte mit Venezuela im Gegenwert von 25 Millionen Sucre (31,25 Millionen US-Dollar) geplant. Das gesamte Handelsvolumen zwischen beiden Ländern liegt derzeit bei rund 400 Millionen US-Dollar.

Der Ausbau des neuen Buchgeldes scheint schon jetzt Kritiker zu widerlegen, die eine mangelnde Vorbereitung und Institutionalität kritisiert hatten. Gegenüber einem großen deutschen Onlineportal hatte der kolumbianische Ökonom Marc Hofstetter Gascon von der Universität der Anden in Bogotá Ende 2009 bekräftigt, dass jedes Währungssystem »auf einem seriösen institutionellen Fundament und einer anerkannten Strategie« basieren müsse. Die Etablierung des Regionalen Währungsrates der Sucre-Staaten in Caracas und die Zunahme des Handelsvolumens scheint bisher eben diese Bedingung zu erfüllen.

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