Werbung

Kinder werden arm gespart

Caritas warnt vor Heranwachsen einer »verlorenen Generation« in Europa

  • Von Ralf Streck, Madrid
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

In den Krisenländern Europas gibt es immer mehr arme Kinder. Schuld daran sind auch die harten Sparprogramme der EU.

Das Ergebnis einer Studie von Caritas Europa, in der Auswirkungen der Krise auf Kinder untersucht wurden, könnte kaum dramatischer sein: Mit Bezug auf Daten der EU-Kommission stellt die katholische Hilfsorganisation fest, dass in Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Irland durchschnittlich ein Drittel aller Kinder in Armut oder am Rand derselben leben. Es wachse eine Generation schlecht ernährter junger Menschen mit pessimistischer Stimmung und fatalen Zukunftsaussichten heran, so der Verband.

Der Generalsekretär von Caritas Europa Jorge Nuño-Mayer, hofft darauf, dass die Ergebnisse dazu führen, »dass die Politiker geeignete politische Maßnahmen ergreifen, mit der Krise umzugehen«. Vertreter aller Hilfsorganisationen in den fünf Ländern, denen im Rahmen von Rettungsmaßnahmen massive Sparauflagen gemacht wurden, sagen aus, dass viele Kinder nicht einmal mehr ausreichend mit Essen versorgt werden.

Die Caritas stellt fest, dass immer mehr Kinder hungrig in die Schule gehen. In Portugal blieben über Weihnachten Schulkantinen geöffnet, weil Kinder sonst nichts oder zu wenig zu essen bekommen hätten. In Griechenland sollen nun in Schulen Coupons für Milch, Früchte und andere Lebensmittel verteilt werden, kündigte das Bildungsministerium an. In den vergangenen Wochen waren immer wieder entkräftete Kinder in der Schule in Ohnmacht gefallen.

Die Studie macht für die Verarmung der Kinder die Sparprogramme verantwortlich. So litten in Griechenland und Spanien 2011 - neuere Zahlen liegen nicht vor - schon 30 Prozent der unter 18-Jährigen unter Armut oder stünden an der Armutsgrenze. Das sei eine Zunahme um vier Prozentpunkte seit 2005. In Portugal und Italien lag der Wert nur knapp darunter, während es in Irland schon fast 40 Prozent der Kinder trifft. Die über die harten Sparprogramme angeheizte Erwerbslosigkeit ist oft für Armut verantwortlich. In Griechenland und Spanien liegt sie bereits fast bei 27 Prozent, womit eine dramatische Verarmung einhergeht. Eine Sozialhilfe nach deutschem Muster gibt es meist nicht. In Spanien erhalten zwei Millionen Menschen keinerlei staatliche Hilfe.

Für die frühere irische Europaparlamentarierin Deirdre de Burca zeigt der Bericht, dass »Kinder das größte Armutsrisiko haben.« Für die Direktorin für Sozialpolitik bei Caritas Europa ist klar, dass die Kleinsten besonders unter der Streichung von Sozialleistungen, Kürzungen von Arbeitslosengeld, Steuererhöhungen und Maßnahmen leiden, die Familien Kaufkraft entziehen. Diese hätten »extrem negative Auswirkungen auf das Leben schutzbedürftiger Menschen«, so die Caritas.

Der Verband bezeichnete die Sparprogramme deshalb als gescheitert und forderte eine neue Prioritätensetzung und eine gleichmäßige Verteilung der Krisenlasten. Die derzeitige Politik führe in eine Katastrophe: »Das könnte nicht nur ein Rezept für eine verlorene Generation in Europa sein, sondern für mehrere verlorene Generationen.« Die EU müsse gegensteuern - Armut schwäche Schulleistungen und wirke sich negativ auf das Arbeitsleben aus. Bei jungen Menschen mache sich Hoffnungslosigkeit breit. In Griechenland und Spanien haben knapp 60 Prozent der unter 24-Jährigen keinen Job. In Portugal, Italien und Irland sind es bereits zwischen 30 und 40 Prozent.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!